Reservierte Haltung
Anleger misstrauen dem Boom in China

Der Boom in Asien lässt Deutschlands Anleger aufhorchen: Mehr als zwei Drittel glauben, dass China und Indien in den nächsten Jahrzehnten die heute etablierten Industrienationen an Wirtschaftskraft überholen werden. Doch befragt nach möglichen Investitionsentscheidungen und Aktienkäufen, zeigt sich mehr als die Hälfte unbeeindruckt von der Wirtschaftskraft.

HB DÜSSELDORF/VANCOUVER. Ethnisch-soziale und gesellschaftliche Probleme sind Gründe für die reservierte Haltung. Das ist das Ergebnis der monatlichen Anlegerumfrage des Meinungsforschungsinstituts AMR im Auftrag der Investmentbank HSBC Trinkaus & Burkhardt und in Zusammenarbeit mit dem Handelsblatt. Erstmals wurden 1000 Anleger befragt. Die Kursturbulenzen und der gut 50-prozentige Verfall an den chinesischen Börsen spiegelt diese Haltung wider und gibt den Anlegern Recht.

Vor allem Anleger unter 30 Jahren gehen überdurchschnittlich häufig davon aus, dass China und Indien sich langfristig auf der wirtschaftlichen Überholspur befinden. Chinas Bruttoinlandsprodukt dürfte in diesem Jahr um neun Prozent zulegen – trotz Bemühungen der Regierung, das Wachstum zu bremsen. Chinas Handelsüberschuss steigt Monat für Monat. In den ersten elf Monaten lagen die Ausfuhren um ein Drittel höher als im Vorjahr.

Aller Wirtschaftskraft zum Trotz reagieren 56 Prozent der befragten Anleger nicht mit dem Kauf chinesischer oder indischer Aktien. Immerhin 23 Prozent investieren aber in Einzelländerfonds und weitere 21 Prozent in breiter gestreute Asien- Aktienfonds. Das trifft besonders auf jüngere und männliche Anleger zu. Über 60-jährige Anleger halten sich dagegen mit Investments in Asien zurück. Nur etwa jeder Zehnte ist in Asien aktiv.

Auffallend ist, dass 58 Prozent der Befragten ethnisch-soziale, ökologische und gesellschaftliche Probleme von einem Investment abhalten. Insbesondere ältere und weibliche Anleger äußern sich entsprechend. Dagegen schenken männliche und unter 50-jährige Anleger den Binnenproblemen der asiatischen Länder weniger Beachtung und möchten an der Entwicklung der dortigen Aktien teilhaben.

Die Diskrepanz zwischen einer zunehmend westlich orientierten Marktwirtschaft und einem politisch totalitären System entzweit also die Anleger. Seit Jahren steigt in China die Zahl der Proteste. Schätzungen gehen von über 50 000 Kundgebungen mit über drei Millionen Teilnehmern pro Jahr aus. Im südchinesischen Sichuan marschierte die Armee erst jüngst gegen Tausende Bauern auf, die gegen ihre Zwangsumsiedlung wegen eines Staudamms demonstrierten. Doch auch ethnische Auseinandersetzungen sind häufig. Die Kluft zwischen Arm und Reich, die auf Grund des unkontrollierbaren Wachstums größer wird, verursacht viele Kämpfe. In den Städten entzünden sich Proteste an dem Informationsmonopol und der mangelnden politischen Öffnung der Kommunistischen Partei.

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