Restriktivere Wirtschaftspolitik belastet zusätzlich
Gewinnsorgen trüben Börsenklima in China

Eine Serie enttäuschender Gewinnberichte chinesischer Firmen sowie das dämpfende Eingreifen der Regierung auf die von Überhitzung bedrohte Konjunktur setzen die Aktienkurse in Hongkong, Schanghai und Shenzhen zunehmend unter Druck.

SCHANGHAI. Den schwersten Schlag versetzte Ende März der zweitgrößte Öl- und Gasproduzent Sinopec den China-Börsen, als dessen Gewinnzahlen für das Jahr 2003 hinter den Erwartungen zurückblieben. Auch der Mobilfunkdienstleister China Unicom enttäuschte die Analysten. Ein genauer Blick auf die Aktie verrät zudem, was die Börsianer im Großraum China dieser Tage beschäftigt. Es sind mehr als nur konjunkturelle Sorgen.

Auch strukturelle Schwächen in den boomenden Märkten im Reich der Mitte werden zunehmend sichtbar. Bei China Unicom macht sich mit dem langsameren Wachstum im Neukundengeschäft und mit sinkenden Einnahmen pro Kunde die wachsende Sättigung des weltweit größten Mobilfunkmarktes bemerkbar. Der hatte zu Beginn dieses Jahrzehnts noch mit rasanten Wachstumsraten geglänzt. „Die Zahlen von China Unicom waren ziemlich enttäuschend, weil es den ersten Gewinnrückgang seit dem Börsendebüt im Jahr 2000 meldete“, schrieb die Ratingagentur Standard & Poors. Ein Grund für die Enttäuschung seien die zuvor hohen Erwartungen, meint Kelvin Ho, Anlageexperte bei Nomura International in Hongkong. Selbst Chinas Hausgeräteprimus, der Kühlschrankriese Haier, gerät trotz seines 40-prozentigen Zuwachses beim Nettogewinn im vierten Quartal unter Druck. Auch hier lautet die Marktanalyse: Steigende Rohstoffpreise, Margendruck, wachsende Sättigung.

Wie weit die Gewinnsorgen reichen, zeigt das Beispiel von Chinas größtem Ölkonzern PetroChina. Der berichtete vor wenigen Tagen für das vergangene Jahr einen Anstieg des Nettogewinns von 48 % auf 8,3 Mrd. US-Dollar. Das ist immerhin der zweitgrößte Gewinn, der jemals von einem in Hongkong gelisteten Unternehmen gemeldet wurde. Doch die Raffinerien von PetroChina sind dank des anhaltenden Booms im Reich der Mitte bis zum Anschlag ausgelastet, und das lässt kaum Raum für das Unternehmen, um von weiterem Wachstum in China zu profitieren. Im Klartext: Der China-Boom ist nicht mehr Quell der Börsianerträume, er ist selbst das Problem geworden.

Selbst aus Chinas Autoindustrie, deren PKW-Hersteller im vergangenen Jahr ein Absatzplus von 76 % meldeten, kommen nun weniger berauschende Nachrichten. So hat die staatseigene Assets Supervision and Administration Commission – der Verwalter der führenden Staatsbetriebe – gemeldet, die 13 größten Autoschmieden im Land hätten in den ersten beiden Monaten des Jahres 13,4 % weniger Gewinn erwirtschaftet als im selben Zeitraum des Vorjahres. Daran Schuld sind steigende Materialkosten bei sinkenden Verkaufspreisen für die fertigen Autos.

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