Rettungsanker Gold „Notenbankpolitik wirkt wie ein Vorschlaghammer“

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„Gold im Depot ist wichtig als Cash-Ersatz“

Ist Gold nicht schon wieder relativ teuer?

Sicher würde ich Gold nicht zu jedem Preis kaufen, man muss jedoch zwischen Versicherungsgold und Performancegold unterscheiden. Physisches Gold sollte ein wesentlicher Bestandteil jedes Portfolios sein, nachdem es die einzige Währung ist, die keinerlei Gegenparteienrisiko trägt.

Wie lange sollten Anleger Gold halten?

Ein gewisser Goldanteil macht immer Sinn. Aber ich bin auch kein radikaler Goldfundamentalist. Ich freue mich auch darüber, wenn das Umfeld wieder besser und Zinsen wieder höher sind. Dann ist es wieder an der Zeit, Goldbestände abzubauen und Gold im Depot geringer zu gewichten. Wichtig für den Goldpreis sind eben die Opportunitätskosten und da speziell die Realzinsen. Aber solange die Realzinsen sehr niedrig oder sogar negativ sind, macht es aus meiner Sicht Sinn, Gold zu halten.

Rechnen Sie mit einem weiteren Preisanstieg bei Gold?

Ein Goldanteil im Depot ist wichtig – und zwar nicht als Investment, sondern als Cash-Ersatz. Das ist Geld, das sich im Laufe der Jahrhunderte einfach durchgesetzt hat. Der Goldbestand kann nicht einfach inflationiert werden. Was den Goldpreis angeht: Beim Gold ist das Stimmungsbild derzeit extrem negativ. Gold interessiert im Moment niemanden mehr. Auf der anderen Seite hat der Goldpreis seit Jahresanfang doch deutlich zugelegt. Ich bin zuversichtlich, dass diese mehrjährige Korrekturphase jetzt zu Ende ist. Es könnte für Gold also gut weiter aufwärts gehen.

Kaffee steigt schneller als Gold
Silber überspringt Rekordhoch von 1980
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Silber

Nach einer langen Talfahrt scheint Silber den Boden erreicht zu haben: Im vergangenen Jahr fiel der Preis bis auf 18,20 US-Dollar und bewegte sich danach seitwärts. In diesem Jahr könnte es für den Silberpreis wieder etwas aufwärts gehen: Analysten der UBS sehen die Möglichkeit, dass Silber auch von der verbesserten Konjunktur profitieren wird, da dieses Edelmetall im Unterschied zu Gold auch in der Industrie verwendet wird.

Preisentwicklung:

Seit Jahresbeginn: +0,21 Prozent

Ein Jahr: -16,91 Prozent

Drei Jahre: -57,92 Prozent

A jewellery store employee looks at a ring made from purple gold in Singapore
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Palladium

Violettes Gold (siehe Bild) entsteht, wenn man Gold mit Metallen wie Palladium mischt. Seine Hauptanwendung findet Palladium allerdings in der Industrie – es wird beispielsweise für Auto-Katalysatoren verwendet. Investoren fürchten derweil bei Palladium Engpässe: Russland und Südafrika produzieren 80 Prozent des Metalls. Ein Streik in den Minen Südafrikas und mögliche Sanktionen gegen Russland schürten Versorgungsängste, was den Preis deutlich steigen ließ.

Preisentwicklung:

Seit Jahresbeginn: +9,1 Prozent

Ein Jahr: +14,92 Prozent

Drei Jahre: +1,9 Prozent

Neuer Rekord beim Goldpreis - erstmals über 1600 Dollar
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Gold

Gold hat es derweil auch nicht leicht. Auf die Stimmung beim Goldpreis drückte die Erwartung, dass die Federal Reserve ihr Konjunkturprogramm weiter zurückfahren wird. Der Goldpreis erlitt kürzlich einen Rückschlag, nachdem die US-Verbraucherpreise stärker als erwartet gestiegen waren. Am Markt wurde darauf spekuliert, dass die Fed- Entscheider dadurch mehr Spielraum haben, ihre Maßnahmen weiter zurückzufahren. Kurzfristig half dem Goldpreis allerdings die angespannte Lage in der Ukraine.

Preisentwicklung:

Seit Jahresbeginn: +7,28 Prozent

Ein Jahr: -9,23 Prozent

Drei Jahre: -14,2 Prozent

Telekom sichert Kupferkabel mit künstlicher DNA
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Kupfer

Ähnlich wie Silber hat Kupfer eine lange Talfahrt hinter sich. Besserung ist noch nicht in Sicht. Der Abschwung am Kupfermarkt hat allerdings viel mit China zu tun: Zum einen lässt die Nachfrage aus der zweitgrößten Volkswirtschaft nach, zum anderen wird in China kräftig mit dem Industriemetall spekuliert. In China wird Kupfer auch als Sicherheit für zinsgünstige Kredite eingebracht, um Unternehmen zu finanzieren oder auf steigenden Finanzmärkten zu spekulieren. Das rote Industriemetall ist damit zu einem Finanzprodukt geworden, weil damit auch Kapitalkontrollen umgangen werden können. Die Nachfrage aus China ist damit nicht nur industrieller Natur.

Preisentwicklung:

Seit Jahresbeginn: -10,76 Prozent

Ein Jahr: -3,19 Prozent

Drei Jahre: -31,11 Prozent

Platinbarren Imagebild Heraeus Edelmetalle
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Platin

Für den Platinpreis ging es wie bei den meisten Metallen bergab. Allerdings ging es für Platin nicht so stark nach unten wie für Gold. Experten gehen davon aus, dass sich Palladium in diesem Jahr besser entwickeln wird als Platin. Grund seien die steigenden Verkaufszahlen bei Autos, in denen Palladium als Katalysator verwendet wird. Zwar werde das Platinangebot langfristig durch die vielen Streiks in den Platinminen Südafrikas belastet, allerdings sei das Interesse der Investoren an Palladium höher, sagte der Rohstoffexperte Eugen Weinberg von der Commerzbank.

Preisentwicklung:

Seit Jahresbeginn: +2,11 Prozent

Ein Jahr: -2,49 Prozent

Drei Jahre: -23,65 Prozent

Ölpumpen
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Öl (Brent)

Anders als bei den Edelmetallen ging es für den Ölpreis bergauf. In der Ukraine bleibt die Lage angespannt, was den Ölpreis bisher gestützt hat. Der Ölpreis profitiert auch langfristig von einer sich erholenden Weltwirtschaft.

Preisentwicklung:

Seit Jahresbeginn: -0,04 Prozent

Ein Jahr: +12,56 Prozent

Drei Jahre: +0,54 Prozent

Gasflamme auf Herd
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Gas

Der Gaspreis geriet durch die Krise in der Ukraine in den Fokus: Russland erhöhte seine Gaspreise gegenüber der Ukraine, indem es vorher gewährte Rabatte wieder strich. Als Grund hatte Russland Kiews Milliardenschulden genannt. Deutschland hängt zwar auch am Gashahn Russlands, aber eine Angst vor Versorgungsengpässen besteht nicht.

Preisentwicklung:

Seit Jahresbeginn: +10,61 Prozent

Ein Jahr: +9,66 Prozent

Drei Jahre: +6,05 Prozent

Die Anleger haben sich vom Gold doch abgewendet, weil die Krise ihren Schrecken verloren hat. War das falsch?

Gold ist ein irrsinnig emotionales Thema. Nirgendwo sonst sind die Diskussionen so leidenschaftlich. Bei Aktien oder Staatsanleihen ist niemand so euphorisch oder pessimistisch. Aber wenn man Gold mit den üblichen Argumenten negiert, dass es keinen Zins einbringt und hochspekulativ sei, so ist das eine gewisse Ignoranz der Geschichte gegenüber. Im Zuge von großen Krisen oder einer Neuordnung des Weltwährungssystems sind die Menschen immer zu Gold zurückgekehrt. So wird es in Zukunft auch immer wieder sein.

Sie bezeichnen es selbst als einen der größten Anlegerfehler, aus der Historie auf die Zukunft zu schließen und dass niemand wüsste, wie die ganzen Geldexperimente ausgehen. Wäre nicht auch ein ganz neues Szenario denkbar?

Das kann natürlich auch passieren. Aber ich glaube, dass der Markt im Zuge der Geschichte einfach Gold - und teilweise auch Silber - auserkoren hat, weil es die besten Eigenschaften für eine Währung hat. Es gibt eben gute Gründe dafür – auch wenn das nicht bedeuten muss, dass es auch in Zukunft so bleibt. Das zeigen zum Beispiel die Krypto-Währungen wie etwa Bitcoins. Im Zuge einer Krise werden die Menschen aber wieder auf das Vertrauen, was schon in der Vergangenheit funktioniert hat. Die Generation unserer Eltern kauft Gold aus Angst vor Inflation. Die Nachfrage aus den Schwellenländern, allen voran China und Indien, ist mittlerweile dominant. In diesen Ländern ist es ganz normal, dass Gold als Geld angesehen wird. Zwar nicht für die täglichen Einkäufe, aber es wird einfach in Gold gespart. Der allmählich steigende Wohlstand dort ist auch ein gutes Argument für Gold.

„Das Problem ist die Geldsystemkrise“
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1 Kommentar zu "Rettungsanker Gold: „Notenbankpolitik wirkt wie ein Vorschlaghammer“"

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  • Sehr gutes Interview!
    Es gibt sie noch, die klar und präzise denkenden Menschen...

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