Risiken bei der Geldanlage
Wie Eis in der Sonne

Tiefe Zinsen sind gefährlich für das Vermögen. Deshalb warnt die Deutsche Bank mit einem Koloss aus Eis vor der schleichenden Enteignung. Wie die Geldmanager deutsche Sparer bekehren und diese ihre Altersvorsorge retten.
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FrankfurtMittwoch, 10 Uhr früh, Frankfurt-Innenstadt, Rossmarkt. Eine Ortsbegehung. Die Vermögensverwaltungssparte der Deutschen Bank hat ein Spektakel angekündigt. Und da steht er tatsächlich, das Objekt der Neugierde.

Siebeneinhalb Tonnen wiegt der Block. Es ist eine zehn Meter lange und zwei Meter hohe Ziffernfolge: 2.016.000.000.000. So viel Euro haben die Deutschen an Zinsanlagen, etwa auf Girokonten, in Festgeldern und auf Sparbüchern. Die Deutsche Asset & Wealth Management, so der sperrige Name des Vermögensverwalters, hat sich das kalte Spektakel ausgedacht: die Ziffern und der Fußblock des Kolosses sind aus Eis.

„Like Ice in the Sunshine“, titeln die Anlageexperten dazu. Es soll anschaulich werden, wie das Kapital fast unmerklich verschwindet, wenn der Zins praktisch abgeschafft ist und die Inflation zusätzlich am Wert nagt. Das dauert Jahre. Mit den Eisziffern geht es schneller. Die beginnen auf dem Rossmarkt bei klarem Himmel und Sonnenschein sofort zu tropfen. Ein Security-Mann in Anzug und Sonnenbrille wacht darüber, dass niemand das gefrorene Werk mit den Händen berührt. Doch die Normalbürger gehen ohnehin wenig interessiert an der Skulptur vorbei.

Ähnlich ist es auch in der Wirklichkeit. Wir Deutsche reagieren bisher kaum auf die neue Welt der Nullzinsen. Vielleicht ändert sich das bald, wenn immer mehr begreifen was passiert. Denn das Vermögen wird noch lange schmelzen. Die Deutsche-Bank-Geldverwalter erwarten bis zu drei weitere Jahre tiefe Zinsen. Die Experten des Finanzhauses Main First lehnen sich sogar sehr weit aus dem Fenster und wagen die Prognose: Es dauert noch zwei Jahrzehnte – japanische Verhältnisse nennt man das in der Finanzbranche.

Wer klassisch fürs Alter anspart, der wird demnach scheitern. Ohne Zins kein Zinseszins, keine Geldvermehrung. Viele dürften am Lebensabend zu wenig in der Hinterhand haben. Altersarmut ist das Schreckenswort. Soweit darf es nicht kommen. Die Strategen der Deutsche-Bank-Anlagesparte propagieren deshalb auf dem Rossmarkt wie viele ihrer Konkurrenten: Bitte mehr Geld höher rentierlich anlegen. Im Mittelpunkt steht dann die Aktie.

Auf den ersten Blick scheint der Tag für so eine Werbeaktion schlecht gewählt zu sein. Allen steckt noch der Börsencrash vom Montag in den Knochen. Doch das ist nur ein winziger Zeitausschnitt. Man spart schließlich über viele Jahre und Jahrzehnte fürs Alter. Da fällt ein miserabler Tag oder eine schlechte Börsenphase nicht ins Gewicht.

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Die deutsche Furcht vor der Aktie

Kommentare zu " Risiken bei der Geldanlage: Wie Eis in der Sonne"

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  • Die Aktie ist für mich in erster Linie eine Beteiligung
    an einem Unternehmen und nicht ... "Geld verleihen".
    Das ist eine Sache der Einstellung.
    Verleihen wir uns gegenseitig nur Geld und möchten dann
    davon leben ... verhungern wir gemeinsam.

  • Noch vor wenigen Jahren hat sich Angela Merkel und Schäuble von Joseph Achermann der Deutschen Bank beraten lassen. Darauf hin wurden GR Hilfen gezahlt und Draghi geheiligt ohne Blick auf die Realität. Nun plötzlich, seitdem der Inder die Deutsche Bank in Miskredit gebracht hat, zählt die Stimme der Deutschen Bank nicht mehr? Da müssen die einen Eisblock in Frankfurt - den Sitz der EZB - aufbauen, und Merkel - EU - EZB ignorieren das ? Da kann ja nur die FED mit Goldman Sachs dahinter stecken. Sie sind die nie ausgesprochenen Bosse des Herrn Draghi, der unsere Zinsen zu verantworten hat und den Euro auf GR Niveau drückt, damit das Euro Abenteuer keine Revolutionen in der EU entfacht. Ohne einen zweiten und vielleichten dritten failed state wie GR hört das Euro Zeitalter nie auf, zu viele Invstoren profitieren davon.

  • ...und warum sollte es Freibeträge für leistungslos erzielte Kapitalerträge geben? Diese sind ohnehin schon steuerlich bevorzugt gegenüber Arbeitseinkommen. Das untergräbt das Leistungsprinzip.

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