Risiko Anleihen
Gut essen und schlafen mit Aktien

Die Prioritäten der Investoren haben sich verschoben, denn Anleihen gelten nicht mehr als grundsicherer Hafen im Portfolio. Die Profis setzen lieber auf solide Aktien und haben Bonds von Unternehmen entdeckt.
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Frankfurt„Wer gut schlafen will, kauft Anleihen, wer gut essen will, bevorzugt Aktien.“ Auch 13 Jahre nach dem Tod der Börsenlegende André Kostolany zählen Dividendenpapiere und Bonds zu den wichtigsten Anlageprodukten, die der Finanzmarkt zu bieten hat. Aber gilt der alte Rat in Zeiten von Dauerkrise und unbeständigen Märkten weiter? Profi-Anleger sind skeptisch.

„Diese Strategie gilt in dem Sinne nicht mehr“, sagt Eckart Keil, Fondsmanager des global aufgestellten Mischfonds Premium Pearls One. Das Verhältnis zwischen Risiko und Chance sei bei Anleihen spätestens seit Ausbruch der Schuldenkrise zu schlecht geworden. „Ich glaube, dass man inzwischen gut essen und auch schlafen kann, wenn man solide, dividendenstarke Aktien hält.“ Ein Plädoyer also für die Aktie als kurz- und langfristige Anlage - und das obwohl Investoren mit Dividendentiteln in den vergangenen Jahren teilweise sehr viel Geld verloren haben.
Noch immer notiert der Dax 20 Prozent unter dem Stand von 2007, der Dow-Jones-Index der US-Standardwerte hat immerhin noch sechs Prozent aufzuholen. Das konjunkturelle Umfeld ist nach wie vor schwierig. In Europa bremst die Schuldenkrise die Wirtschaft; erstmals steht sogar der Euro auf dem Spiel. Die USA kommen nur langsam in Gang, und die Wachstumslokomotive China verliert an Fahrt.

Trotzdem setzt auch Wolfgang Leoni, der die Investmentstrategie für Sal. Oppenheim verantwortet, gerade jetzt auf diese Art der Unternehmensbeteiligung: „Aktien sollte man dann kaufen, wenn die Konjunktur am Rezessionspunkt angekommen ist. Da befinden wir uns jetzt. Es ist also ein guter Zeitpunkt, um Aktienpositionen aufzubauen.“ Jens Kummer, Portfolio-Verantwortlicher von SEB Asset Management, hat dies bereits getan.

„Derzeit sind wir zu über 50 Prozent in Aktien investiert, während der Lehman-Krise oder im Sommer vergangenen Jahres hatten wir gar keine Aktien.“
Die Entscheidung, in welche Unternehmen das Geld gesteckt wird, folgt angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen strengen Auswahlkriterien. Die Profis setzen auf gestandene Unternehmen mit profitablem Geschäft und einer breiten geografischen Diversifikation. Damit sei man gut gegen Währungsschwankungen und Inflation abgesichert, so das Argument. In den Aktienkursen spiegelt sich dieses Vorgehen wider, so hat zum Beispiel der Nivea-Hersteller Beiersdorf seit Jahresbeginn rund 16 Prozent gewonnen, das Plus der hiesigen Autowerte liegt zwischen zehn und 20 Prozent. Der Dax dagegen hat gerade einmal rund sieben Prozent zugelegt.

Die Gothaer Asset Management fährt eine „Marken- und Exportstrategie“. Vorstandssprecher Christof Kessler stuft zum Beispiel Luxusgüter-Aktien als vielversprechend ein. „Diese haben global gesehen nach wie vor ein starkes Wachstum. Selbst in Europa zieht die Nachfrage immer noch an.“ Für unsicher hält Kessler hingegen die Perspektiven für die Versorger, auch konjunktursensible Werte fasst er derzeit nicht an.

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