Risiko Radar
Aktienmärkte kehren zur Normalität zurück

Erstmals seit dem Jahr 2008 liegt der deutsche Aktienindex im Handelsblatt Risiko Radar in der mittleren Risikoklasse 3, die Risikokennziffern fallen auf den langfristigen Durchschnitt. Finanzwerte gelten wegen der sich zuspitzenden Schuldenkrise weiter als spekulativ.
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DÜSSELDORF. Die Aktienmärkte schauen auf eine ungewöhnliche Woche zurück. Ungewöhnlich deshalb, weil es an den Börsen stärkere Schwankungen gegeben hat. In den Wochen zuvor war die Volatilität spürbar zurückgegangen. Für die Anleger hat das die positive Konsequenz, dass ihr Kursrisiko ebenfalls sank. Das zeigt das Risiko Radar, das das Handelsblatt in Kooperation mit dem Ratingunternehmen EDG monatlich veröffentlicht.

"In fast allen Sektoren haben sich die Risikokennziffern zuletzt deutlich verringert", sagt Björn Döhrer, Partner bei der EDG. "Marktbreite Indizes wie der Dax oder der Euro-Stoxx-50 liegen jetzt bereits wieder im Bereich ihres langjährigen Durchschnitts. Das zeigt, dass die Aktienmärkte nach zwei Jahren Krise wieder zur Normalität zurückgekehrt sind", fügt er hinzu.

Basis für das Risiko Radar ist das Konzept des "Value at Risk", das in der Finanzwelt flächendeckend verwendet wird. Das Grundprinzip ist ziemlich einfach: Der Value at Risk gibt den Verlustbetrag an, der bei einer Anlage von 10 000 Euro in den nächsten zehn Tagen mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht überschritten wird. Ein Value at Risk von 1 000 Euro bedeutet demnach, dass das Risiko auf einen Kursrückgang von zehn Prozent beschränkt ist.

Auf Basis des Value at Risk werden die verschiedenen Anlagemöglichkeiten Risikoklassen von eins für "sicherheitsorientiert" bis fünf für "spekulativ" eingeordnet. Der Dax weist aktuell einen Wert von 1 137 Euro auf und liegt damit erstmals seit dem Jahr 2008 wieder in der mittleren Risikoklasse 3. Einen geringeren Wert weisen nur Gold (851 Euro) sowie fünf Einzelwerte im Dax aus: Fresenius, Fresenius Medical Care, SAP, RWE und Deutsche Telekom.

Deutlich mehr Risiko gehen Anleger nach wie vor mit Aktien der Allianz ein. Zwar hat sich der Value at Risk beim Papier des Versicherers im vergangenen Monat so stark verringert wie bei keiner anderen Aktie. Gleichwohl wird eine Anlage in Allianz-Aktien unverändert als spekulativ eingestuft - ein Schicksal, das sie mit fast allen Finanzwerten teilt.

Bankaktien wie die Titel der Deutschen Bank oder der Commerzbank weisen sogar noch einen deutlich höheren Value at Risk auf. Grund ist die Zuspitzung der europäischen Schuldenkrise, die die Risiken für den Finanzsektor neu aufs Tapet gebracht hat. Bankaktien zählen seit Wochen zu den schwächsten Werten an der Börse. Und die Stimmung für den Sektor ist nach einer Analyse des Beratungsunternehmens Sentix im Keller. In den vergangenen zehn Jahren war das Sentiment für Bankaktien nur dreimal schlechter: Mitte 2007 zu Beginn der Finanzkrise, im November 2008 nach der Lehman-Pleite sowie im Mai 2010 auf dem Höhepunkt der Griechenland-Krise.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)

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