Risikoaufschläge sind im Schnitt wieder fast so niedrig wie am Jahresanfang
Anleihen von Schwellenländern sind bei Investoren beliebt

Die Hoffnungen, dass die US-Notenbank Fed die Zinserhöhungen früher stoppt als erwartet, geben den Anleihen von Schwellenländern Auftrieb. Auch die ständig sinkenden Renditen von Staatsanleihen der Industrienationen helfen den Bonds der so genannten Emerging Markets, da diese Anleger mit einem deutlichen Renditeplus locken.

cü FRANKFURT/M. Emerging-Market-Bonds, die zum großen Teil auf Dollar lauten, bieten im Schnitt 3,80 Prozentpunkte mehr Rendite als US–Staatsanleihen. Damit liegt der Risikoaufschlag nur noch knapp über dem Stand vom Jahresanfang. Im April waren die Risikoaufschläge bis auf 4,10 Prozentpunkte hochgeschnellt. Die Krise der US-Autokonzerne General Motors und Ford, deren Anleihen die Ratingagenturen später auf Junk-Bond-Niveau herabstuften, belastete die Emerging-Market-Bonds zeitweise. Denn die Turbulenzen um die Autobauer schärften das Risikobewusstsein der Anleger. Jetzt hat sich das Blatt jedoch gewendet. „Anleihen von Emerging Markets werden noch weiter von der Flucht in die Qualität profitieren“, meinen die Strategen von Dresdner Kleinwort Wasserstein.

Raphael Kassin, Fondsmanager bei ABN Amro Asset Management, findet das gerechtfertigt. „Anleihen von souveränen Schuldnern sind wesentlich sicherer als Anleihen von Unternehmen“, sagt er. Außerdem habe sich die Bonität vieler Schwellenländer verbessert. Im Schnitt hätten diese heute Ratings von „BBB-“ – also auf der untersten Stufe des Investment-Grade. Vor acht Jahren war die Bonität noch wesentlich schlechter, die Risikoaufschläge aber lagen niedriger. Deshalb hält Kassin die Anleihen von Schwellenländern noch für relativ günstig.

Der Markt für Anleihen der Schwellenländer ist allerdings sehr uneinheitlich. Am höchsten rentieren Bonds aus Südamerika, die Kassin derzeit für interessantesten hält. Brasilianische und venezolanische Bonds bringen 4,30 bzw. fünf Prozentpunkte mehr Rendite als US-Staatsanleihen.

Die Risikoaufschläge sind sogar deutlich höher als am Jahresanfang. Beide Länder haben Ratings unterhalb des Investment-Grade. In Brasilien könnten die Risikoaufschläge noch weiter steigen. Denn der Kongress ermittelt gegen Teile der Regierung wegen Korruptionsverdachts. Die Analysten von Wachovia sehen jedoch bei anziehenden Renditen Kaufgelegenheiten in Brasilien. Außerdem betonen Analysten unisono, dass die Rahmenbedingungen für die brasilianische Wirtschaft stimmen. In Venezuela ist das anders. Das Land profitiert vor allem von seinen hohen Ölreserven. Experten fürchten aber, dass die Wirtschaftspolitik von Präsident Hugo Chávez das Wachstum langfristig belasten wird.

Türkische Dollar-Anleihen bieten drei Prozentpunkte mehr Rendite als US-Staatsbonds. „Die vergleichsweise niedrigen Aufschläge spiegeln nicht nur die Hoffnungen auf einen Beitritt zur Europäischen Union, sondern auch das recht gute Wirtschaftswachstum und den strukturellen Reformprozess wider“, sagt Ronald Schneider, Fondsmanager bei Raiffeisen Capital Management. Gefahr für türkische Bonds sieht er erst, wenn sich die Aussichten der Türkei auf einen EU-Beitritt deutlich verschlechtern.

Die Risikoaufschläge von russischen Dollar-Anleihen sind auf 1,7 Prozentpunkte gesunken und gelten als teuer. Bei Schwellenländer-Anleihen, die auf Dollar lauten, empfehlen Experten generell die Anlage in Fonds, die das Währungsrisiko absichern.

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