Risikoforscher im Interview: So vermeiden Anleger den Absturz

Risikoforscher im Interview
So vermeiden Anleger den Absturz

Wer an den Finanzmärkten agiert, muss mit vielen Gefahren umgehen. Doch die wenigsten Anleger verstehen es, diese richtig einzuschätzen. Risikoforscher Gerd Gigerenzer erklärt, welche Strategien Anlegern helfen.
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Viele Anleger lassen sich in Finanzprodukte mit horrenden Zinsversprechen locken, andere legen ihr Geld gegen Minizinsen aufs Bankkonto. Letztlich drohen beiden Gruppen Verluste. Sind die Deutschen zu dumm für Geldanlage?
Sie sind nicht dumm, aber es fehlt ihnen an Risikokompetenz. Sie durchschauen die Grundprinzipien der Finanzmärkte nicht, beachten nicht, dass höhere Gewinnversprechen immer auch mit größeren Risiken verbunden sind und wähnen sich in Sicherheit, sobald ihnen ein freundlicher Anlageberater ein Produkt empfiehlt.

Was macht einen risikokompetenten Anleger aus?
Zuerst braucht er ein solides Grundwissen: Was sind beispielsweise Zinsen, was sind Zinseszinsen? Außerdem muss er die Rollenverteilungen und Interessenkonflikte im Markt verstehen: Woran verdienen Unternehmen, Banker und Berater? Warum werden bestimmte Produkte empfohlen? Was bedeutet es, wenn man Schulden aufnimmt und was passiert mit Geld, das ich zur Bank bringe?

Wie kann man dieses Wissen vermitteln?
Um nachhaltig etwas zu erreichen, müssen wir schon in den Grundschulen ansetzen. Denn Bildung ist viel mehr als nur Lesen, Schreiben und Rechnen. Die Ansprüche an die Menschen haben sich verändert und dementsprechend müssen auch die Lehrpläne geändert werden.

Sie fordern also ein Schulfach, das Finanzkompetenz heißen könnte?
Es muss gar kein eigenes Fach sein. Ich stelle mir eher einzelne Module vor, die in die etablierten Schulfächer eingebunden werden. Es kommt darauf an, dass lebensnahe Problemstellungen besprochen werden. Das betrifft neben Finanzkompetenz auch Gesundheitskompetenz und den Umgang mit digitalen Technologien.

Wie genau könnten solche Module zur Finanzkompetenz aussehen?
Junge Leute muss man da abzuholen, wo sie sind. Die ganz Kleinen müssen erst einmal lernen, was Geld ist. Mit den Größeren kann man über Handyverträge sprechen oder mal ganz praktisch ausrechnen, ob die Altersvorsorge des Lehrers ausreicht. Ganz wichtig ist es, möglichst früh statistisches Denken zu schulen, das funktioniert ganz spielerisch.

Kommentare zu " Risikoforscher im Interview: So vermeiden Anleger den Absturz"

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  • Warum lese ich nichts über
    1. 0,5% Risiko pro Aktienposition, Hardstop und Pyramidisierung,
    2. über Trends, die in jedem Markt zu finden waren und es immer sein werden
    3. Liquidität in den Märkten um jederzeit eine Position schließen zu können
    4. sekündliche Kursfeststellung.
    Diversifikation wurde wenigstens genannt. Bravo !
    Das sind die Aspekte, die zu einer Wertanlage mit begrenztem Risiko zu erörtern sind. Denn so kann ich Abstürze meines Depots verhindern. Alles andere ist heiße Luft, da sie dem Leser keine Handlungsanweisung an die Hand geben.

  • Ein sehr guter analytisch differenzierter Kommentar von "KWB", der sich erfreulicherweise von dem ewigen Kommentar-Einerlei und den Plattitüden abhebt. Selten genug, dass es sich mal wieder gelohnt hat in die Kommentare zu schauen.

  • Ich glaube kaum, daß es gut ist in der Schule, oder gar Grundschule etwas über Finanzen zu vermitteln, jedenfalls nicht so, wie es bisher geschah. Man sieht doch was für Blödlinge dann als BWL-er herauskommen. Bildung kann eben auch blöd machen. Schließlich war es ein ungebildetes Kind, welches in "Des Kaisers neue Kleider" ausrief, daß der Kaiser nackt ist.

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