Risikoscheu
Deutsche fürchten US-Investments

USA, nein danke. Deutsche Anleger halten Amerika für riskanter als den Nahen Osten oder Lateinamerika. China trauen sie viel zu. Am wohlsten fühlen sich die Deutschen aber in der Heimat.
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DüsseldorfGeld in den USA anlegen? Nein danke, lautet die Antwort deutscher Privatanleger. Die Deutschen sind dafür bekannt, besonders risikoscheu zu sein und ihr Geld am liebsten im eigenen Land anzulegen. Mittlerweile sehen sie die Vereinigten Staaten als Region mit dem höchsten Investitionsrisiko für private Geldanlagen. Hinzu kommt, dass nur wenige Anleger mit einem starken Wachstum in den USA rechnen.

Dies ist das Ergebnis einer repräsentativen Studie zum Investmentverhalten deutscher Anleger, durchgeführt von TNS Emnid im Auftrag von Goldman Sachs Asset Management im Juli 2011. Untersucht wurde das Verhalten an nationalen und internationalen Kapitalmärkten. Von 511 befragten Personen nannte fast ein Drittel die USA als riskanteste Region - deutlich vor dem Nahen Osten mit knapp 15 Prozent oder Lateinamerika mit gut 11 Prozent.

Die Risiken für die sogenannten BRIC-Staaten, Brasilien, Russland, Indien und China, werden deutlich geringer eingeschätzt. Knapp 60 Prozent der deutschen Anleger halten genau diese Staatengruppe für die Region mit dem größten Wirtschaftswachstum in den kommenden 20 Jahren.

Obwohl die Deutschen den Schwellenländern viel zutrauen, investieren sie hier kaum und planen auch künftig nur einen geringen Anteil ihres Geldvermögens dort anzulegen. Deutsche Anleger bevorzugen deutsche Anlageprodukte. Viele Anleger investieren besonders stark in ihren Heimatmarkt, in Unternehmen und Indizes, die sie kennen. Je größer die Unsicherheit an den Märkten, desto stärker der Wunsch nach Bekanntem. Experten nennen das Phänomen "Home Bias".

Jim O'Neill, Chef von Goldman Sachs Asset Management spricht von einem "erheblichen, bislang ungenutzten Potenzial für deutsche Anleger" in Schwellenländern. Die Umfrage zeige, "dass die aktuell an den Märkten herrschende Unsicherheit die Risikoaversion deutscher Anleger verstärkt hat", so O'Neill.

Dabei sind Risikoaversion und Home Bias nicht das gleiche, im Gegenteil. Viele Anleger setzen in Krisenzeiten auf ihnen bekannte Unternehmen. "Ich sehe den Home Bias eher als Risiko", sagt Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Privat- und Geschäftskunden der Deutschen Bank. Denn der Dax schwanke stärker als andere Indizes. Entsprechend seien die Verluste in Krisenzeiten schnell größer, als die anderer, auch amerikanischer Indizes. Die Verluste seien in den USA deutlich geringer gewesen. Als Anlage mit dem relativ geringsten Risiko sieht Ulrich Stephan ein breit diversifiziertes Portfolio - mit Deutschland, mit den USA, mit Schwellenländern.

Und wenig Risiko ist gefragt. Mehr als 90 Prozent der von TNS Emnid Befragten gaben an, eine niedrige oder mittlere persönliche Risikobereitschaft bei Geldanlagen zu haben. Zwar fürchten sie Risiken für die deutsche Wirtschaft wie den Zusammenbruch des Euro, Inflation, Rezession oder Arbeitslosigkeit. Dennoch scheinen ihnen die Risiken im Heimatland überschaubar - verglichen mit den USA.

Kommentare zu " Risikoscheu: Deutsche fürchten US-Investments"

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  • Wenn es alle falsch machen wird es dadurch nicht richtiger.

    Die Risikoversion gegen USA ist völlig unbegründet und die Angst vor US Investments spiegelt das Unwissen der wirklichen Realitäten deutlich wieder.

    In Wahrheit werden die USA früher aus der Rezession herauskommen als Europa.

  • Was soll an einem Investment in BASF, BMW oder SAP oder.... so ungeheuer "Home Bias" sein? Alles internationale Unternehmen, die vom Aufschwung in China enorm profitieren, aber eben reale Bilanzen haben und keine Enron oder Lehmann-Lächerlichkeiten.

  • Hallo Frau HB-Redakteurin Kirsten Krumrey, warum schüren Sie anti-amerikanische Gefühle ? Woher haben Sie ihren "Fakten", dass sie so genau wissen, dass Deutsche chinesische Geld-Anlagen mögen.

    Glaub ich nicht, totaler Nonsens und schwimmen auf der anti-amerikanischen Welle. Glückwunsch !

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