Risikostreuung: Anleger müssen umdenken

Risikostreuung
Anleger müssen umdenken

Eine Streuung der Anlagegelder über verschiedene Vermögensformen senkt die Risiken für das Gesamtdepot. Dieser Grundsatz ist ins Wanken geraten. Denn Anlageklassen wie Aktien, Rohstoffe, Immobilien und auch einzelne Aktiensegmente entwickeln sich zunehmend in die gleiche Richtung.

FRANKFURT. Anlageklassen wie Aktien, Rohstoffe, Immobilien und auch einzelne Aktiensegmente entwickeln sich zunehmend in die gleiche Richtung – nach oben. Experten streiten, ob bei einer Konjunkturabschwächung in den USA oder beispielsweise durch einen sprunghaft steigenden Ölpreis die Märkte ähnlich gleichförmig nach unten abdrehen könnten. Dann wäre das originäre Ziel der Diversifikation zumindest kurzfristig verfehlt: Risikobegrenzung würde nicht stattfinden.

Beunruhigt ist nicht nur der bekannte Vermögensverwalter Marc Faber in Hongkong. Auch sein renommierter deutscher Branchenkollege Jens Ehrhardt mutmaßt: „Es könnte sein, dass etwa durch einen externen Schock alle Märkte gleichzeitig nach unten abdrehen. Es ist nicht einmal sicher, dass bei fallenden Aktienmärkten wenigstens die Anleihenkurse steigen würden.“

Auslöser der Diskussionen sind unter anderem Analysen von Morgan Stanley und Merrill Lynch. Experten aus beiden Häusern errechnen zunehmend gleich laufende Wertentwicklungen (steigende „Korrelationen“) beispielsweise zwischen US-Aktien und Nebenwerten, Rohstoffen, Hedge-Fonds und Immobilien. Auf den Aktienmärkten erkennen Fachleute eine weit engere Kopplung etwa zwischen den asiatischen Schwellenländerbörsen und der Wall Street als in früheren Zeiten.

Alistair Lowe, Leiter der globalen Vermögensstrukturierung beim zweitgrößten Verwalter State Street Global Advisors, erkennt einen Motor der wachsenden Synchronisierung der Märkte: „Es ist die Globalisierung mit ihren Folgen.“ Unternehmen erwirtschaften wachsende Teile ihrer Ergebnisse im Ausland, sie sind damit tendenziell den gleichen Einflüssen ausgesetzt. Daher entwickeln sich Umsätze und Gewinne stärker gleichgerichtet als früher.

Darüber hinaus bekommen die Kapitalströme einen stärker internationalen Charakter – ebenfalls ein Effekt der Globalisierung. „Die weltweite Liquiditätsschwemme durch die expansiven Notenbankpolitiken hat dazu beigetragen, dass es seit etwa vier Jahren bei vielen Vermögensformen nur einen Weg gibt – den nach oben“, bestätigt Michael Keppler, Chef von Keppler Asset Management in New York. Ein Nebeneffekt sind die auf historische Tiefstniveaus gesunkenen Schwankungsintensitäten an den Anleihe-, Aktien- und Devisenmärkten.

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