Riskante Rally
Aktienmarkt im Drogenrausch

Das billige Geld der US-Notenbank treibt weltweit die Kurse. Anleger sollten dabei sein, raten Experten - aber nicht zu lange. Denn dass die Geldpolitik der Notenbanker auf lange Dauer gesund ist für die Finanzmärkte, glaubt kaum jemand.
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FRANKFURT. Die Börsen boomen. Innerhalb kurzer Zeit hat der Deutsche Aktienindex (Dax) um hunderte Punkte auf knapp 6 800 Zähler zugelegt. Und das muss noch nicht das Ende sein. Nach Ansicht von Experten dürfte der Leitindex schon bald neue Rekorde aufstellen. "Der Dax könnte sogar schon im nächsten Jahr die 8 000 Punkte-Marke erreichen", sagt Carsten Klude, Chefvolkswirt von MM Warburg.

Doch woher kommt die plötzliche Euphorie? Die Finanzkrise ist längst noch nicht ausgestanden. In den USA liegt der Arbeitsmarkt danieder, in Europa stehen Staaten vor der Pleite. Dass sich die Anleger am Aktienmarkt darum im Moment wenig scheren, liegt an einem Mann: Ben Bernanke. Der Chef der US-Notenbank will die schwache Konjunktur stützen - koste es, was es wolle. Dafür ist er auch bereit, die Notenpresse anzuwerfen. Für 600 Mrd. Dollar wird die Notenbank US-Staatsanleihen ankaufen und so erneut Liquidität in die Märkte pumpen. Drogen für die Börsen.

Auf der Suche nach Rendite

Die wundersame Geldvermehrung der Fed hat nicht nur Auswirkungen auf die USA, sondern die ganze Welt. "Dieses Kapital wird größtenteils in der Finanzwirtschaft verbleiben und in die Aktien-, Renten- und Rohstoffmärkte fließen", heißt es in einem Kommentar von ING Investment Management. Ein Großteil der Dollars kommt nicht dort an, wo er eigentlich gebraucht wird, in der Realwirtschaft, sondern vagabundiert umher - immer auf der Suche nach Rendite.

Kritiker warnen vor den Folgen. Sie fürchten, dass das billige Geld eine neue Blase nährt. Jeremy Grantham, Gründer des Bostoner Vermögensverwalters GMO und seit über vierzig Jahren im Anlagegeschäft tätig, nennt die Politik der Fed ein "Verbrechen". Diese liefere seit Anfang der 1990er-Jahre immer das gleiche Drehbuch. Zinsen runter, dazu Notenpresse an. "Das Spiel wurde 1998 und nach 2001 wiederholt, was zunächst zum Technologieboom und danach zur Blase am US-Immobilienmarkt führte", sagt Grantham. Nach dem großen Crash von 2008 versuche Fed-Chef Bernanke nun die gleiche Medizin wie sein Vorgänger Alan Greenspan. Die Nebenwirkungen dürften ebenfalls identisch sein.

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  • bei einer Mindesteinlage von 2% ist gemäß der geometrischen Reihe im Kreditwesen eine Geldschöpfung um das 50-fache möglich.

    Natürlich kann dann das (Kredit-)Giralgeld in Derivaten angelegt werden. Womit der Faktor 50 nochmal mit dem Faktor 10-100 potentiert werden kann.

    D.h. theoretisch können mit den 2 billionen US-Dollar, welche die FED in die Märkte gepumpt hat, maximal 10 Trillionen an Derivaten generiert werden.

    ich persönlich denke, dass der Derivatemarkt in etwa auf 5-10 Trillionen US-Dollar aufgeblasen wird, bevor der ganz grosse Knall kommt.

    DAX/Dow Jones werden davor unglaubliche ATH erreichen.

  • So oder so ähnlich funktioniert die wunderbare Geldvermehrung, Oder?

    So kann man Kredite verteilen, an Staaten, etc....

  • Wetten,im März 2011 haben wir eine neue Währung,vielleicht eine Weltwährung.Auf dem G20 Gipfel wird alles vorbereitet.ich kann nur jedem Empfehlen: Sehen Sie zu in Kürze kein Papier mehr zu besitzen.Papier heißt Geld,Aktien,Lebensversicherungen,Schuldverschreibungen,Fonds usw.

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