Riskante Staatsanleihen
Profi-Anleger flüchten in Aktien

Aus Furcht vor der Schuldenkrise in Europa schichten Finanzprofis ihre Depots um: Statt auf Staatsanleihen setzen sie nun stärker auf Aktien. Selbst die deutsche Bundesanleihe, die lange Zeit noch als letzte Zuflucht in der Krise galt, ist für viele nicht mehr erste Wahl.
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FRANKFURT. Die Schuldenkrise verunsichert die Investoren. Nicht nur Privatanleger, sondern auch Profis werden unruhig. Denn seit hochverschuldete Länder wie Griechenland, Portugal oder Irland von der Pleite bedroht sind, erscheinen Staatsanleihen nicht mehr so sicher wie einst gedacht. „Erstmals finden wir in europäischen Staatsanleihen nicht mehr die gewünschte Sicherheit“, sagt Matthias Habbel, Vermögensverwalter aus Wiesbaden.

Das Misstrauen richtet sich nicht nur gegen die Schuldenstaaten. Selbst die deutsche Bundesanleihe, die lange Zeit noch als letzte Zuflucht in der Krise galt, ist für viele nicht mehr erste Wahl. Der Kurs der deutschen Papiere ist zuletzt kräftig gefallen, entsprechend stieg die Rendite. Gestern kletterte die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen zeitweise über die Marke von drei Prozent. Das ist nach wie vor nicht übermäßig viel. Aber ein Anstieg um gut 40 Prozent seit Sommer zeigt, dass das Interesse der Investoren schwindet. „Auch Bundesanleihen und US-Staatsanleihen sind aufgrund der ausufernden Staatsschulden, niedriger Verzinsung und drohender Inflationsgefahren keine Alternative“, sagt Stephan Albrech, Vorstand der Vermögensverwaltung Albrech & Cie in Köln.

Die Frage ist nur, welche Alternative stattdessen bleibt? Besonders die Vermögensverwalter, also diejenigen, die das Geld für gut betuchte Kunden anlegen, stellen sich die Frage: Wohin mit dem Geld? Vermögensverwalter sind nicht dafür bekannt, sich ohne Not in Risiken zu stürzen. Anleihen machen in ihren Depots traditionell einen großen Anteil aus. In der Vergangenheit sind sie damit gut und vor allem sicher gefahren. Doch die Schuldenkrise in Europa könnte sie dazu zwingen, einen Teil von Staatsanleihen in Aktien umzuschichten. „Unternehmen mit guten Bilanzen und überschaubarer Geschäftsentwicklung erscheinen uns vergleichsweise sicher, was für Staatsanleihen nicht unbedingt gilt“, sagt Jens Ehrhardt, Chef der Vermögensverwaltung DJE Kapital.

Die Verschiebung – weg von Bonds, hin zu Aktien – lässt sich jetzt schon beobachten. Nach einer Auswertung des Datenanbieters Firstfive, der 300 Depots unter die Lupe genommen hat, haben die Vermögensverwalter ihre Aktienquote in den vergangenen Monaten erhöht. Aktuell liegt sie im Durchschnitt bei 31,7 Prozent – und damit rund fünf Prozentpunkte höher als Anfang Mai, bevor die Schuldenkrise eskalierte. Anleihen machen mit 42,3 Prozent zwar immer noch den größten Teil in den Depots aus. Doch der Trend ist klar: Fast im gleichen Tempo, wie der Anteil an Aktien gestiegen ist, ist der Anleiheanteil gesunken.

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  • Profianleger wissen genau, dass Aktien nur Liebhaber-Papiere sind und werden sicher nicht in ein instrument "flüchten", dass keinen inerten Wert mehr hat, ausser sie wollen evtl. ein Stimmrecht ausüben, um das Unternehmen zu steuern.

    Für den aufgeklärten bürger kann es also nur heissen, wenn das Geld nicht mehr trägt, tragen Aktien auch nicht, weil es keine wirkliche Relation zwischen der Aktie und dem Unternehmen an sich gibt (auch wenn das die Ratingagenturen so aussehen lassen wollen). Stimmrecht und Dividendenzins ist das Einzige, was man sich erwarten kann für den Kredit an das Unternehmen, der über die Ausgabe von Aktien lukriert wurde, aber nie zurückgezahlt wird. Und natürlich setzt das die Hoffnung voraus, dass es weiters Liebhaber gibt, die den illusionären, nicht-existenten Wert der Aktie stützen.

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