Robert Doll
„Eine Depression wie in den 30ern droht nicht“

Die internationalen Staaten, insbesondere die Notenbanken haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt, ist Robert Doll überzeugt. Als Indizien sieht der Chef der Aktienstrategie bei Blackrock die entschlossenen Zinssenkungen und die staatlichen Rettungsprogramme. Sein Fazit: Raus aus Staatsanleihen, rein in Aktien und Firmenbonds.

Die Zinsen waren zu lange zu niedrig. Die Marktteilnehmer konnten praktisch alles kaufen, etwa Häuser zu sehr niedrigen Zinsen. So entstand die Hypothekenkrise, die sich mittlerweile zur größten Krise seit der großen Depression in den 30-er Jahren ausgeweitet hat. Daher sehen wir auch die Rettungsprogramme der Regierungen und die Zinssenkungen. Die Regierungen haben klar gemacht, dass sie alles tun werden, um das Finanzsystem wieder liquide zu machen. Und dazu gibt es keine Alternative. Die Deflation ist jedenfalls keine.

Zur Rettung wird alles getan werden. In den vergangenen Wochen erkenne ich auch erste Zeichen einer Besserung. Im Gegensatz zu anderen Prognostikern sehe ich keine Gefahr einer Depression wie in den 30-er Jahren. Die damaligen Fehler wie Zinserhöhungen, Protektionismus und strikte fiskalische Disziplin werden wahrscheinlich nicht wiederholt. In Europa sehe ich allerdings Probleme bei der EZB. Die Zinsen sind gefährlich hoch. Das ist einer der größten Fehler der Geschichte. Der Leitsatz müsste eher bei zwei liegen, nicht bei über drei Prozent. Die EZB muss schnell und deutlich handeln.

Bei den Aktien haben wir mit über 50 Prozent Wahrscheinlichkeit wohl den Borden gesehen. Wichtig sind hier die Unternehmensgewinne. In der großen Depression fielen sie um 70 Prozent, nach dem Krieg in einer durchschnittlichen Rezession um 20 Prozent. Nehmen wir für die aktuelle Lage einen Rückschlag von 40 Prozent an, dann kommen wir auf ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 14 bis 15 für den S&P 500. Bei niedriger Inflation ist das in Ordnung. Mit höherer Inflation sähe das anders aus.

Ich schließe nicht grundsätzlich aus, dass wir noch einen panikartigen Verkauf an der Börse sehen. Aber das halte ich für weniger wahrscheinlich. Es gibt immer noch starke Notverkäufe von Vermögenswerten, aber das lässt langsam nach. Die gute Nachricht ist: Wir kennen die Ängste. Deshalb hat der Run auf Sicherheit auch die Renditen der US-Staatsanleihen zeitweise unter Null gedrückt. Das ist in den letzten 100 Jahren nur zwei Mal vorgekommen. Eine gute Strategie wäre jetzt: Bei Staatsanleihen auf fallende Kurse setzen, bei Aktien und Unternehmensanleihen auf steigende.

Auf der Aktienseite suchen wir stabile Firmen mit starken Bilanzen. In der Branchenbetrachtung ziehen wir Technologie vor, gewichten Finanztitel unter. Finanzwerte sollten auf längere Zeit unterdurchschnittlich abschneiden, auch wenn wir zwischendurch immer wieder spektakuläre Sprünge nach oben sehen werden. Rohstoffaktien sind zu stark unter die Räder gekommen. Der langfristige Trend vom Wachstum im Osten und der dadurch steigenden Rohstoffnachfrage ist intakt. Aus unseren Produkten ziehen kurzfristig orientierte Anleger Geld ab, während die Langfristinvestoren still halten.

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