Robert Halver im Interview „Nie wieder wirklich hohe Zinsen“

Schlechte Zeiten für Sparer: Die EZB hat ihnen eine ganze Anlageklasse geklaut. Das behauptet Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. Seiner Meinung nach ist auch die Abschaffung des Bargeldes denkbar.
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Gibt es nicht mehr. Quelle: Getty Images
Hohe Zinsen?

Gibt es nicht mehr.

(Foto: Getty Images)

Robert Halver ist Rheinländer. Und aufgrund seiner rheinischen Frohnatur und seiner bildlichen Vergleiche sind die Vorträge des Leiters Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank immer ein Erlebnis. Kurz vor dem Beginn seiner Rede sprachen die Anwesenden über die etwas niedrige Temperatur im Saal, was Halver gleich zu einem Scherz animierte: „Das ist der kalte Wind von Herrn Varoufakis“ (Anmerkung der Redaktion: Varoufakis ist der griechische Finanzminister).

Hallo Herr Halver, Sie betrachten den Kapitalmarkt 2015 als völlig losgelöst von alten Verlaufsmustern. Nur weil die Zinsen so niedrig sind und die Aktienmärkte boomen?
Losgelöst, weil bei den konjunktur- und geldpolitischen Zyklen nicht mehr die alte Gesetzmäßigkeit des Kreislaufs gilt. Früher gab es einen Abschwung, die sogenannte Geld-Phase in der beispielsweise Festgeld interessant war. Es folgte die Rezession, die Phase, in der die Leitzinsen gesenkt wurden, um die Konjunktur zu unterstützen. Hier profitierten Staatsanleihen. Darauf folgten Aufschwung und Boom. In diesen Phasen war Sachkapital wie Aktien, Immobilien und Rohstoffen gefragt. Anschließend erhöhten die Notenbanken wieder die Zinsen, mit denen erneut der Abschwung eingeleitet wurde. Der Zyklus begann von neuem.

Wie sieht dieser Zyklus heute aus?
Von den vier Abschnitten sind nur Aufschwung und Boom übriggeblieben. Abschwung und Rezession hat die EZB aus ihrem Vokabular gestrichen. Die EZB sorgt sozusagen für einen kastrierten Zyklus. Dazu wurden die Zinsen sehr weit gesenkt. Dabei hilft nicht zuletzt das im März einsetzende Aufkaufprogramm der EZB.

Aber die Notenbanker können die Zinsen doch wieder erhöhen…
Von dieser Erwartung sollten sich Anleger verabschieden. Wirklich hohe Zinsen und Renditen können wir uns gar nicht mehr leisten. Denn dann stellt sich die Existenzfrage unseres Finanzsystems.

Mit welcher Begründung?
Zinsen beziehungsweise Zinseszinsen sind Massenvernichtungswaffen für den Staatshaushalt. Man muss nur die Wertentwicklungen des Euro unter Berücksichtigung unterschiedlicher Zinssätze vergleichen. Nehmen wir ein fiktives und plastisches Beispiel. Zu Beginn der christlichen Zeitrechnung hat ein Anleger einen Euro in fünfjährige italienische Staatsanleihen investiert und die Zinsen regelmäßig wiederangelegt. Zu einem Zinssatz von 6,34 Prozent, der vor dem Euro-Rettungsversprechen von EZB-Chef Mario Draghi galt, hätte der Anleger ein Vermögen von knapp 600 Oktilliarden angehäuft. Auf die 600 folgen in diesem Fall 51 Nullen. Bei dem aktuellen Zinssatz von 0,59 Prozent hätte der Anleger nur knapp 150.000 Euro verdient. Da dieses Vermögen jeweils auf der anderen Seite Staatsschulden darstellt, ist klar, dass die erste Zinsvariante den Staat früher oder später in die Insolvenz führen würde. Auf heute bezogen heißt das: Die EZB muss die Schuldentragfähigkeit von Ländern wie Italien erhalten. Dazu muss sie ihre Staatsanleiherenditen drücken. Wirkliche Anstiege führten zum Finanzkollaps.

Abschaffung von Bargeld als Konjunkturprogramm
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41 Kommentare zu "Robert Halver im Interview: „Nie wieder wirklich hohe Zinsen“"

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  • Niedrige Zinsen für immer?
    Prima!
    Dann könnten ja Konsumgürter- und Verbrauchsgüterpreise sinken, denn die Zinsen sind ja Teil der Kalkulation.
    Das aber würde die national-ökonomischen Super-Dilettanten bei der EZB hart treffen, denn die planen ja einen Generalangriff auf die Kaufkraft der idiotischen, inkompatiblen Gemeinschaftswährung!
    Also erhalten wir Verbraucher dank der dummen EZB eine herrliche Deflation mit stabilen Preisen, die uns Frischgeld-Drucker Drucki Draghi, verwehren will.
    Und lange schallts im Walde noch...
    Drucki Draghi lebe hoch!.....

  • Die Zinsen werden auch 2015 niedrig sein!

    Die USA sind mit mehr als 18 Billionen US-$ verschuldet. (Das sind Billionen in deutscher Sprache und nicht US-amerikanische billions = Milliarden. Also eine 18 mit 12 Stellen dahinter.)

    Eine theoretische Anhebung der Zinsen um 1% würde für die USA eine zusätzliche Belastung von 180 Milliarden US-$ bedeuten. Eine nicht zu schulternde Last!
    Die private US-Notenbank FED wird und kann das nicht vornehmen.

    In europäischen Ländern sind es andere Zahlen, aber vergleichbare Größenordnungen gemessen an der Bevölkerungszahl oder dem Bruttoinlandsprodukt.

    Zinsen bewirken nicht nur ein unaufhörliches, sich selber immer mehr beschleunigendes Wachstum der Geldvermögen auf der einen Seite und der Schulden auf der anderen Seite, also eine (exakt proportionale) Umverteilung der Einkommen von der Arbeit zum Besitz, sondern sie belasten und zerstören jedes Wirtschafts-System, jede Gesellschaft und jeden Staat jede Nation und die Umwelt:

    Eine Gesellschaft die ein verzinstes Geldsystem nutzt, bricht früher oder später durch die immer größer werdende Zinslast zusammen!

    Der perfide Zins- und Zinseszins-Mechanismus ist "die unsichtbare Zerstörungs-Maschinerie" (John L. King, U.S.-Wirtschafts-Historiker) in den sog., angeblich "Freien Marktwirtschaften.

    Sollten wir uns nicht lieber fragen, ob es nicht an der Zeit ist, ein neues Geldsystem einzuführen?

    Weg vom Geldmonopol der Bankster?

    Ein Geldsystem ohne Zwang zu immer mehr Wachstum?

    Oder die Erdlinge können sich bald ein neues Zuhause suchen, nachdem sie ihren eigenen Planeten zerstört haben!

    Warum erfahren wir in den Lügenmedien nichts über das Geldmonopol bzw. Schuldgeldsystem der internationalen Bankster?

    Da sollte man sich mal die Frage stellen, wem gehören eigentlich die Medien?

    Jeder der das nicht versteht, sollte im Internet nach "Schuldgeldsystem" bzw. "Das Zwangsgeldsystem Mario Fleischmann" oder "Prof. Bernd Senf - Tiefere Ursachen der Krise" suchen

  • So richtig die Meinung von Halver hinsichtlich der Zinsentwicklung ist, so unsinnig ist die Aussage zum Bargeld. Der wachsende steuerliche "Faschismus" tendiert zweifelsfrei zur Bargeldabschaffung. Dadurch wird aber der Konsum nicht befördert, weil genügend Alternativen zur Auswahl stehen, wie das Giralgeld (Kontengeld) und natürlich die Edelmetalle. Im Gegenteil wird der private Konsum verkürzt, weil eine höhere Steuereffektivität die Konsummöglichkeiten einschränkt. Der Staat kann dann die Mehreinnahmen nach Griechenland oder in die Ukraine transferieren - solange das deutsche Stimmvieh diesen Unsinn mitmacht.

  • "Nicht leichter oder schwerer, als das bei anderen sehr liquiden Gütern auch der Fall ist."

    Haben Sie mal oberflächlich gegoogelt, wie einfach man es kleinen Gruppen gemacht hat, so etwas durchzuziehen? ;)

  • "Sie sind nicht wirklich marktreguliert... Manipulationen am Kurs sind anscheindend leicht durchzuführen."

    Nicht leichter oder schwerer, als das bei anderen sehr liquiden Gütern auch der Fall ist.
    Umso geringer die Marktkapitalisierung von Bitcoin ist, desto stärker beeinflussen große Transaktionen natürlich den Kurs. Aber wenn Bitcoin zunehmend als Währung adoptiert wird, dann verschwindet natürlich die zur Zeit zu beobachtende Volatilität. Es ist wie mit Schiffen auf den Weltmeeren. Ein kleines Boot wird von den Wellen hoch- und runtergerissen, während man die gleichen Wellen auf der Titanic überhaupt nicht bemerkt. Der Dollar und der Euro sin die Titanic und die Olympic.

  • "Das meinen Sie aber jetzt ironisch!"

    Nein, das ist nicht ironisch. Wir sind der Staat und das Volk. Wenn wir keinen Bock mehr auf Frau Merkel haben, wird jemand anders gewählt, der in den Augen der Mehrheit besser geeignet ist. Gegen das Volk kann sich die CDU oder SPD oder sonstwer nicht halten. Die Mehrheit in der Bundesrepublik ist mit dem gemäßigten Kurs der Bundesregierung zur Zeit einverstanden - auch wenn es Minderheiten nicht gefällt. Als Demokrat muss man das akzeptieren.

    Aber nur weil die Mehrheit eine andere Meinung als die eigene vertritt bedeuetet das nicht, dass nicht das Volk machtlos ist, sondern nur, dass die eigene Position nicht von der Mehrheit geteilt wird.








  • @ Adrian Heckner – Das meinen Sie aber jetzt ironisch! Kein Mensch wollte, dass die Gemeinschaft der europaeischen Steuerzahler 320 Mrd in Griechenland versenkt und trotzdem wurde es gemacht.

    Wenn sich Staaten bedroht sehen, setzen sie sich ueber alles hinweg, auch die Verfassung. Als die Vereinigten Staaten ihre Hoheit ueber die Waehrung zu verlieren drohten, haben sie kurzerhand ihre Umtauschpflicht fuer Dollars in Gold aufgehoben und den Privatbesitz von Gold verboten. Was bei Gold nur unvollstaendig gelingen konnte, wird mit Bitcoins ganz einfach sein. Ihr Gold koennen Sie fuer die Zeit danach vergraben. Ihre Bitcoins sind weg!

  • "Es ist ja nicht so, dass Crypto-Währungen unreguliert sind, sondern viel eher so, dass sie marktreguliert sind."

    Sie sind nicht wirklich marktreguliert... Manipulationen am Kurs sind anscheindend leicht durchzuführen.

  • "Das wäre ja auch nicht gut, da man dann keine sinnvolle Geldpolitik mehr betreiben könnte - abgesehen davon bergen gerade auch solche unregulierten Währungen Risiken."

    Es ist ja nicht so, dass Crypto-Währungen unreguliert sind, sondern viel eher so, dass sie marktreguliert sind. Sowohl zentrale Regulierung als auch Marktregulierung gehen wohl mit vielen Vor- und Nachteilen einher und wenn man die Geschichte der letzten 100 Jahre betrachtet, dann kann man durchaus auch zu dem Schluss kommen, dass zentrale Regulierung sogar die größeren Gefahren birgt als Marktregulierung. Der Kommunismus ist am Ende daran gescheitert, dass ein Büro von Apparatschiks es nicht schafft, bessere Preise festzulegen als der Marktmechanismus und vielleicht besteht am Ende tatsächlich die Möglichkeit, dass diese Feststellung sogar für den Preis von Geld und Kredit gilt.

  • "an den €uro zu glauben - hoffe es ist noch nicht zu spät......"

    Japan und die USA haben ähnliche Probleme...

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