Robert Halver zu Paris
„Frankreich – systemrelevant par excellence"

Vor dem Fernseher erfuhr Robert Halver, Kapitalmarktstratege der Baader Bank, von den Anschlägen in Paris. Im Interview erklärt Halver, warum Öl- und Goldpreise steigen – und die Anleger bald zur Tagesordnung wechseln.

Herr Halver, wie haben Sie von den Anschlägen in Paris erfahren und was ging Ihnen durch den Kopf?
Ich hatte mich beim Anschauen des Fußballspiels Frankreich - Deutschland über die für Feuerwerk viel zu lauten Explosionen gewundert und beim Durchzappen durch die Programme von den Terroranschlägen erfahren. Ich habe dann bis in die frühen Morgenstunden die Berichterstattung verfolgt. Ich war geschockt über den organisierten Terror und dass die Täter auch ihren eigenen Tod in Kauf nehmen, um möglichst viele Menschen zu töten.

Welche persönliche Beziehung haben Sie zu Frankreich?
Da ich Französisch als Leistungskurs im Abitur hatte und auch des Öfteren in Paris bin, habe ich eine besondere Beziehung zu Frankreich. Und als Kapitalmarktanalyst ist Frankreich ein regelmäßig gewichtiger politischer Faktor bei der politischen Analyse der Eurozone. Gerade die Politik, vor allem die Stabilitäts-, Geld- und Fiskalpolitik ist heutzutage zu einem deutlich größeren Faktor in meiner Analysearbeit geworden. Ohne den deutsch-französischen Motor bewegt sich in Europa so gut wie nichts. Frankreich ist Euro-systemrelevant par excellence.

Als Leiter der Kapitalmarktanalyse der Baader Bank haben Sie jeden Tag mit den Finanzmärkten zu tun. Welche Auswirkungen haben die Anschläge auf die Märkte?
Da sich Terror leider in den letzten Jahren gehäuft hat, haben sich die Finanzmarktteilnehmer ein bisschen mehr dickes Fell zugelegt. Man muss zwar auch zukünftig mit Terrorismus nicht nur in Frankreich, sondern in ganz Europa rechnen. Wenn dieser jedoch nicht zu einem regelmäßigen Phänomen wird, kann man damit leben oder wird damit leben müssen. Ich sehe mit großer Freude, dass sich die negativen Reaktionen an den Aktien- und selbst den Rohstoffmärkten eher in Grenzen halten. Lediglich Gold als Krisenanlage konnte profitieren. Damit macht sich die gesamte Finanzwelt das Wappenmotto der Stadt Paris zu eigen: fluctuat, net mergitur: Sie schwankt, geht aber nicht unter.

Warum waren die Kursausschläge heute so gering?
„Politische Börsen haben kurze Beine“ scheint sich zu bewahrheiten. Die Marktteilnehmer gehen wohl davon aus, dass Europa - das in letzter Zeit nicht durch viel Harmonie und Solidarität aufgefallen ist – zukünftig verstärkt in der Terrorabwehr zusammenarbeiten wird. Das wäre ein großartiges Signal, dass Europa trotz aller Kritik doch noch funktioniert. Sehr ermutigend ist es auch, dass US-Präsident Obama mit seinem russischen Kollegen in der Bekämpfung des IS zusammenarbeiten will. Ich will die Chancen auf ein Ende der Eiszeit zwischen dem Westen und Russland nicht zu optimistisch betrachten, aber sie sind immerhin da. Ein Sprichwort sagt: Ein gemeinsamer Feind eint mehr als tausend gemeinsame Freunde. Die Börse sieht genau diese Chancen, die ja auch Lösungsansätze in der Flüchtlingskrise bedeuten könnten.

Was ist aus Sicht der Märkte der Unterschied zwischen dem Anschlag in Paris und 9/11?
Die Anschläge von 9/11 waren ein Schock, weil man derartiges aus dem Westen und schon gar nicht auf dem Boden der Weltmacht USA kannte. Nach 9/11 haben leider weitere Terroranschläge stattgefunden. Die Finanzmärkte haben sich daran gewöhnen müssen. Der Schock ist zwar da. Aber heutzutage schaut man mehr nach vorne, an die internationale Zusammenarbeit gegen den Terror. Die Syrien-Konferenz und diesbezügliche Lösungsansätze haben nach den Anschlägen von Paris die gegenseitigen Gräben zumindest etwas zuschütten können. Nicht zuletzt haben wir es heutzutage im Vergleich mit einer international dramatisch freizügigen Geldpolitik zu tun, die ein Stück weit Krisenglättung bewirkt.

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Das normale operative Geschäft rückt bald in den Fokus

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