Robert Halver zur Zukunft der Börsen „Wir haben uns viel zu lange an billigem Geld gelabt“

Kapitalmarktexperte Robert Halver erklärt im Interview, warum die Börsianer derzeit jegliches Risiko scheuen – trotz der keineswegs schlechten Lage. Und er nennt die einzige mögliche Alternative zur laxen Geldpolitik.
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Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank, im Handelssaal der Frankfurter Börse. Quelle: dpa
Robert Halver

Robert Halver, Kapitalmarktexperte der Baader Bank, im Handelssaal der Frankfurter Börse.

(Foto: dpa)

DüsseldorfRobert Halver ist ein waschechter Rheinländer und behält trotz der aktuell schwierigen Lage an den Märkten dennoch seine rheinische Frohnatur. Unabhängig von seinen amüsanten Vergleichen, liegt der Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank mit seinen Prognosen oft richtig. Bereits vor einem Jahr glaubte er, das in den kommenden Monaten über eine Abschaffung des Bargeldes diskutiert werde.

Lieber Herr Halver, Ihrer Meinung nach riecht das Kapitalmarktjahr 2016 nach Finanzkrise 2008? Warum?
Es ist ja nicht nur das Thema Öl oder Konjunktur, sondern leider auch wieder die Bankenkrise. Auch die europäischen Banken haben Anleihen von US-Fracking-Unternehmen gekauft. Das ist verständlich, weil die gegenüber Staatsanleihen attraktive Renditen boten. Fracking war damals eine sinnvolle Alternative zum Opec-Öl. Jetzt stehen die Banken aber angesichts des rasant gefallenen Ölpreises vor dem Problem, dass schätzungsweise ein Drittel dieser Anleihen akut ausfallgefährdet sind. Und das ausgerechnet jetzt in einer Situation, in denen es den Banken aufgrund massiver regulatorischer Vorschriften ohnehin nicht gut geht.

Aber reicht das schon?
Wo eine Bankenkrise schwelt, ist auch der Geruch von Staatsschuldenkrise nicht weit weg. Interessanterweise stellen wir fest, dass die Flucht in Qualitätspapiere dafür sorgt, dass deutsche Staatspapiere bei der Rendite wieder in Richtung Allzeittief fallen. Aber in anderen Ländern wie Portugal und Spanien, Italien und Griechenland sieht man Staatspapiere kritischer. Eigentlich ist das absurd, da die EZB mit ihrem Programm mehr Papiere aufkauft als neue Schulden dazukommen. Daran erkennt man die augenblickliche hohe Unsicherheit. Von daher riecht es ein wenig nach 2008.

Wird dieser Ausverkauf an den Märkten eigentlich von den Konjunkturdaten untermauert?
Nein, die Lage ist besser als die Stimmung. Der Schwanz wedelt sozusagen mit dem Hund.

Wenn die Stimmung deutlich schlechter als die Lage ist: Preisen die Märkte einen Zerfall der Eurozone aufgrund der Flüchtlingsproblematik ein?
Wir leiden unter Eurosklerose. Europa funktioniert nicht. Das zeigt sich in der unsolidarischen Bewältigung der Flüchtlingskrise. De facto steht es hier 27:1 gegen Deutschland. Damit ist Europa in der größten Krise seitdem es die EU gibt. Es ist ein schlimmes Armutszeugnis, dass die EU die eigenen Außengrenzen nicht schützen kann, sondern die Hilfe der Türkei braucht.

„Deutschland profitiert vom Euro am meisten“
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29 Kommentare zu "Robert Halver zur Zukunft der Börsen: „Wir haben uns viel zu lange an billigem Geld gelabt“"

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  • Der Spiegel-Delli Troll hat wieder gesoffen, gab es wieder Geld vom Amt oder waren Sie Flaschen sammeln ?

  • Ist das jetzt der falsch Delli und bin ich der echte Spiegel?????

    Ach wie gut das niemand weiss, dass .......

  • Jaaaaa, er lebt noch -er lebt noch
    Jaaaaa, er lebt noch -er lebt noch......

  • Was würde wohl passieren, wenn die Eurozone zerbricht? Was würde passieren, wenn die EU sich zerlegt? Dann verschwindet wohl Europa ,von der Erde?
    Da hat ja Russland mehr Einfluss in der Welt als zehn Europas, oder was? Wird das in 33 Jahren anders sein?
    Wer hat denn den armen, aufsässigen Osten Europas in die EU geholt? Jetzt soll der Westbalkan, Ukraine und die Türkei dazu kommen? Noch 30 Jahre Siechtum und Einflusslosigkeit!
    Zum Glück habe ich bereits ein Alter, dass ich das nicht mehr alles miterleben muss.

  • Japan lebt noch, stirbt nicht!

    Wo könnte Europa und die Eurozone stehen, wenn hier auch 250 Prozent des BIP als Staatsschuldenquote gelten würde. Die Eurostaaten konnten noch 1.400 Milliarden Euro Schulden machen. Die kämen zu den Anleihekäufen der EZB in Höhe von 1.140 Milliarden Euro noch dazu. Wären diese 2.500 Milliarden Euro frisch "gedrucktes" Geld genug, um 4 oder 5 Prozent Wachstum zusätzlich zu erreichen? Macht euch um die Schulden keine Sorgen. Ist doch alles nur Papiergeld.

  • Live
    Wetterfee Susanne Schöne spricht gerade in N24. Es wir besser, das Wetter.

  • @ v. Horn!
    Wohlstand hat man nicht auf Arbeit und nicht während der arbeit. Ist das klar? Wohlstand hat man nach der Arbeit und außer der Arbeit. Welcher Millionenerbe muss sich seinen Wohlstand erarbeiten? Sie liegen mit Ihrer Auffassung genau so Falsch, wie Halver.

  • Live
    EZB-Präsident Mario Draghi spricht vor dem Europäischen Parlament

  • Da haben Sie völlig Recht, glaube ich,bin mir aber nicht sicher.

  • Mir fällt zu diesem Artikel zwar nichts wirklich vernünftiges ein, aber einen Kommentar wollte ich doch mal schreiben.

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