Rohstoffdiebstahl
Versilberte Bronze

In vielen US-Städten machten sich Kupferdiebe bereits über Kanaldeckel, Rohre und Drähte her. Jetzt gehen sie einen Schritt weiter: Neuerdings drehnen Diebe ihre Beutezüge auch auf Kunstobjekte aus dem begehrten Metall aus. Der Materialwert ist mittlerweile verlockend hoch.

BREA. Als die Bronze-Skulptur "The Spirit of Life" von einem öffentlichen Platz im kalifornischen Brea verschwand, war der Fall für die Stadtverwaltung klar. Sie meldete bei der Polizei einen Kunstdiebstahl. Doch die Beamten waren anderer Meinung: Hier gehe es nicht um die Kunst, sondern es handele sich um einen Rohstoffdiebstahl.

Das 250 Pfund (113 Kilogramm) schwere Werk des Bildhauers John Kennedy war nämlich in Bronze gegossen, eine Metall-Legierung, deren Hauptbestandteil Kupfer ist. Angesichts der explodierenden Kupferpreise hatte die Statue einen hohen Materialwert, der sich auf dem Schrottplatz zu Geld machen lässt. Das ist ein gutes Geschäft, seit die Kupferpreise auf vier Dollar pro Pfund gestiegen sind. Im vergangenen Jahr kostete das Pfund noch 3,50 Dollar, vor drei Jahren waren es nur 1,50 Dollar. Auf dem Schrott-Markt wird zwar weniger gezahlt als an den Rohstoff-Börsen. Für Bronze, die üblicherweise einen Kupferanteil von 66 Prozent hat, bekommt man beim Schrotthändler etwa 2,45 Dollar pro Pfund. Dennoch scheint sich das für die Diebe zu lohnen.

Auch in vielen anderen US-Städten machten sich Kupferdiebe bereits über Kanaldeckel, Rohre und Drähte aus dem begehrten Metall her. Neu ist, dass sie ihre Beutefeldzüge nun auch auf Bronzeplastiken ausdehnen. Brea im wohlhabenden Orange County bietet sich dafür besonders an. Die Stadt fördert öffentliche Kunstwerke mit einem besonderen Programm. Von den 144 Kunstwerken, die in Brea auf öffentlich zugänglichen Plätzen stehen, sind 50 aus Bronze. Drei Bronzeplastiken wurden in den vergangenen 18 Monaten gestohlen.

Die Stadt überlegt nun, wie die Kunstwerke gesichert werden können. Trinitee Manuel, bei der Stadtverwaltung verantwortlich für die Kunstwerke auf öffentlichen Plätzen, ist mittlerweile zwangsläufig auch Expertin für versteckte Kameras und Sicherheitssysteme geworden. Der Diebstahl der Skulptur "Spirit of Life" - die Darstellung einer Mutter, die ihr Kind an den Händen durch die Luft wirbelt - schockierte sie. "Das hat mich persönlich getroffen", sagt die Kunstexpertin. Inzwischen hat sie Kontakt mit einer Sicherheitsfirma aufgenommen, die verschiedene Vorschläge machte. Eine Möglichkeit sind Sicherheitskameras. Eine andere Lösung ist die Ausrüstung der Skulpturen mit GPS-Systemen. Allerdings ist das bei Bronzestatuen nicht so einfach, weil die GPS-Geräte im Inneren der Plastiken angebracht werden müssten. Das aber macht einen Batteriewechsel so gut wie unmöglich.

Manuel setzt deshalb zunächst auf verstärkte Aufmerksamkeit. Sie erstellte eine Liste der besonders gefährdeten Bronze-Skulpturen und rief Polizei und Verwaltungsmitarbeiter dazu auf, ein besonders wachsames Auge auf die Werke zu haben. Außerdem schrieb sie die Besitzer privater Bronze-Skulpturen an, diese besser zu schützen, zum Beispiel durch Überwachungskameras oder eine verstärkte Beleuchtung. Sie riet auch, zur Abschreckung Dornbüsche oder Kakteen um das Kunstwerk herum zu pflanzen.

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