Rohstoffe
Anleger suchen Agrargüter

Derzeit scheinen Konjunktursorgen die Lage an den Rohstoffmärkten zu bestimmen. Der Trend geht weg von Industriemetallen und hin zu landwirtschaftlichen Gütern wie Soja oder Mais. Doch nicht nur die Risikominimierung ist dabei entscheidend – auch das Gewinnpotenzial dieser Rohstoffe spielt eine wichtige Rolle.

LONDON. An den Rohstoffmärkten hat sich offensichtlich der Interessenschwerpunkt der Investoren verlagert. Bei den Basismetallen wie Kupfer, Blei oder Zink fürchten die Anleger nach dem Preisboom der vergangenen sechs Jahre zumindest einen vorübergehenden Rückschlag. An den Agrarmärkten setzen sie dagegen auf weitere Preissteigerungen.

Diese Erwartungen der Anleger spiegeln sich an den Terminmärkten in den USA wider: Die Zahl der Investoren, die auf steigende Preise setzen (Longs), sind bei den Agrarprodukten inzwischen deutlich in der Überzahl. Dies gilt insbesondere bei Sojabohnen und Sojamehl sowie bei Mais. Im Gegensatz dazu überwiegen beispielsweise bei Kupfer die Baissiers oder "Shorts“, die mit rückläufigen Notierungen rechnen.

"Wir gehen davon aus, dass die Agrarpreise bedingt durch die weltweit niedrigen Vorräte, extreme Wetterbedingungen, steigende Einkommen und Verknappungen in weiten Teilen Asiens weiter steigen werden“, sagt Michael Lewis, Chef der Rohstoffanalyse bei der Deutschen Bank in London. Bei dem Vergleich der Preise der verschiedenen Rohstoffkategorien hat Lewis festgestellt, dass die meisten Agrarpreise inflationsbereinigt noch weit unter hinter ihren historischen Höchstständen zurückbleiben. So müsste etwa der Preis für Zucker um 450 Prozent steigen, um sein Rekordniveau von 1974 zu erreichen. Bei Mais und Weizen fehlen noch rund 100 bzw. 250 Prozent bis zum Höchststand.

Doch nicht allein dieses Potenzial lockt die Investoren an den US-Märkten. Nach Zahlen der Commodities Futures Trading Commission, CFTC, setzen die Anleger vor allem deshalb auf die Agrarmärkte, weil ihnen ein Engagement in anderen Rohstoffen, insbesondere den Industriemetallen, als zu riskant erscheint. Eine wirtschaftliche Abschwächung in den USA oder sogar eine Rezession, die auf andere Regionen in der Welt ausstrahlen würde, träfe nach Einschätzung der Investoren auch die Nachfrage nach den Metallen.

Längerfristig bieten die agrarischen Rohstoffe eine günstige "zyklisch weniger anfällige“, Diversifizierungsmöglichkeit zu anderen Vermögenswerten, meint Larry Hatheway von der Schweizer Bank UBS in London. Noch auf Jahre werde sich zudem die wachsende Verarbeitung von Agrarprodukten zu Biotreibstoff bemerkbar machen. Dies gelte vor allem für Mais, Zucker und Weizen.

Die Verwirklichung der Ziele und Vorgaben von Regierungen für den Einsatz von Biokraftstoff wird über die nächsten zehn bis 15 Jahre zwölf Prozent der weltweiten agrarischen Anbaufläche beanspruchen, errechnete die Credit Suisse in einer Studie. In den USA müssten bis zum Jahr 2017 gar 19 bis 32 Prozent der Agrarfläche für diesen Zweck beansprucht werden; bisher sind es nur 5,7 Prozent.

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