Rohstoffe
Die Agrar-Hausse schafft Probleme

So gut wie alle Profis an der Wall Street sind sich über den Boom der Agrarrohstoffe einig. Das wird allmählich zum Problem für die Aktien der Branche.
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Nur wenige Storys klingen auf Anhieb so überzeugend wie die der Agrarrohstoffe. Deren Anbaufläche ist begrenzt, doch die Weltbevölkerung wächst; hinzu kommt in Schwellenländern wie China und Indien der Trend zu höherwertigem Essen. Das heißt vor allem: Fleisch statt Reis. Für die gleiche Menge Energie aus tierischer Nahrung muss mehr Weizen, Mais und Soja verfüttert werden, als wenn der Mensch diese direkt konsumierte. So steigt die Nachfrage nach diesen Rohstoffen noch schneller, als die Zahl der Esser auf der Erde wächst.

Der Klimawandel tut sein Übriges: Er sorgt für steigende Nachfrage nach Biosprit und Strom aus Biomasse, die ebenfalls aus den gleichen Rohstoffen wie Brot und Fleisch gewonnen werden. Diese Story ist so eindrucksvoll, dass so gut wie niemand an der Wall Street noch ernsthaft Bedenken gegen sie hegt. Früher trauten sich nur ausgefuchste Wetter-, Logistik-, Handels- und Ackerbauexperten überhaupt an Prognosen zum Weizen- oder Maispreis; heute zocken Oma Kasubke und Onkel Rudi kräftig auf steigende Notierungen.

Das alleine würde schon ausreichen, um Value-Investoren zu verschrecken, bedeutet es doch, dass so gut wie jeder schon in Ackerbau und Viehzucht investiert sein dürfte. Das größte Problem jedoch: Es gibt viel zu wenige Aktien, mit denen sich das Thema an der Börse umsetzen lässt. Banken haben die wenigen liquiden Titel der Branche seit gut drei Jahren rauf und runter empfohlen und in Themenbaskets gepresst; entsprechend rasant wuchs die Nachfrage nach diesen Aktien. Schnell wurden auch die Hersteller von Düngemitteln und Landmaschinen von der Agro-Hausse erfasst.

Besonders deutlich wird dies an den wenigen reinen Landwirtschaftsaktien, in den USA erfüllt diese Rolle eigentlich nur Archer Daniels Midland, mit etwas Fantasie auch Bunge und Corn Products International. Archer Daniels mit einem Jahresumsatz von fast 50 Milliarden Dollar und Bunge, eigentlich ein argentinisches Unternehmen mit Sitz in New York (26 Milliarden Dollar Umsatz 2006), sind die einzigen richtigen Blue-Chips der Branche. Als weltweit führende Verarbeiter landwirtschaftlicher Produkte und inzwischen auch als Top-Produzenten von Biotreibstoffen leisten sie einen bedeutenden Beitrag zur Deckung des wachsenden Hungers nach Nahrungsmitteln und Energie.

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres konnte Archer Daniels einen beeindruckenden Gewinn von 68 Cent je Aktie ausweisen. Ein Jahr davor waren es 61 Cent gewesen. In dem mit 30. Juni zu Ende gegangenen Geschäftsjahr hatte Archer das Ergebnis um 18 Prozent gesteigert. Der Aktienkurs ist seit Jahresbeginn um 16 Prozent geklettert und liegt derzeit bei etwa 37 Dollar.

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