Rohstoffexporte
Brasilien lockt Investoren

Seit Ende 2002 hat sich der Bovespa-Index im Wert vervierfacht. Ende April übersprang der Index die psychologisch wichtige Marke, seither geht es in den Bars rund um die Börse im alten Zentrum São Paulos laut her.

SAO PAULO. Bis vor kurzem hätte die Rekordmarke von 40 000 Punkten an der Börse in São Paulo für lautstarke Euphorie auf dem Parkett gesorgt. Doch seit Oktober 2005 ist die Bovespa voll automatisiert. Wo sich früher Börsenmakler lautstark die Angebote zuriefen, wird gerade ein hochmodernes Mediazentrum eingerichtet. Die Händler feiern trotzdem: Erstmals übersprang der Index Ende April die psychologisch wichtige Marke, seither geht es in den Bars rund um die Börse im alten Zentrum São Paulos laut her.

Seit Ende 2002 hat sich der Bovespa-Index im Wert vervierfacht. Auch in diesem Jahr steht die Börse Brasilien mit einem Plus von über 20 Prozent weltweit hervorragend da. An der Börse New York steigerten die rund 50 brasilianischen Unternehmen, die dort als ADR (American Depositary Receipt) gehandelt werden, ihren Wert um 31 Prozent. Unter den großen Börsen der aufstrebenden Volkswirtschaften, den Emerging-Markets, haben sich dieses Jahr nur Russland, China und Indien so gut entwickelt.

Das ist kein Zufall: Die vier großen Emerging-Markets werden seit drei Jahren unter dem Kürzel BRIC zusammengefasst. Der Grund – so etwa Goldman Sachs –: Brasilien gehört zusammen mit Russland, Indien und China zu den potenziell am schnellsten wachsenden Emerging-Markets. Diese sollen in 40 Jahren die heute wirtschaftlich dominierenden G-8 Staaten eingeholt haben. Brasilien soll im Jahr 2036 eine Wirtschaftskraft haben wie Deutschland.

Nach dem BRIC-Konzept haben die vier Ökonomien unterschiedliche Rollen in der Weltwirtschaft: Indien ist die Denkfabrik, China die Werkhalle, Russland die Zapfsäule – und Brasilien das Rohstofflager der Weltwirtschaft. Diese Rolle spielt Brasilien seit kurzem immer selbstbewusster: Denn das Amazonasland entwickelt sich zum wichtigsten Zulieferer des rasanten Wirtschaftsbooms in Fernost. Exportiert werden Agrarrohstoffe wie Soja, Fleisch, Zucker oder Orangensaftkonzentrat, aber auch Bergbauprodukte, vor allem Eisenerz. Zugleich ist Brasilien autonom in der Ölversorgung. Seine Zuckerplantagen machen das Land zum weltweit größten Hersteller von Ethanol als Alternativtreibstoff.

Der Rohstoffboom ist denn auch die treibende Kraft hinter den steigenden Kursen in São Paulo. Innerhalb von drei Jahren konnte so etwa der Bergbaukonzern Companhia Vale do Rio Doce zum größten börsennotierten Unternehmen Lateinamerikas wachsen – gemessen an der Marktkapitalisierung. Die Aktie zählt unter Investoren zu den zehn Großkonzernen weltweit mit dem höchsten Gewinnwachstum der letzten fünf Jahre. Der Energiekonzern Petrobras spielt als lateinamerikanischer Ölkonzern sogar an der Wall Street eine Rolle. Die Aussichten sind gut, dass der Boom anhält. „Das Exportpotenzial nach Fernost ist noch lange nicht ausgeschöpft“, glaubt der Investmentbanker Walter Molano von BCP Securities.

Der Rohstoffboom hat noch andere positive Effekte. Denn Auslandsinvestoren interessieren sich plötzlich für Brasilien. Nach China ist das Land seit Jahren die Nr. 2 unter den Emerging-Markets mit den meisten ausländischen Direktinvestitionen. Die weltweit niedrigen Zinsen und die anlagesuchenden Portfolio-Investoren befeuern Brasiliens Wirtschaft zusätzlich: Sie bescheren Unternehmen und der Regierung einfache Finanzierungsquellen. So boomt neben der Börse auch der Immobilienmarkt. „Lateinamerikas Ökonomien erleben den besten Zyklus seit 30 Jahren“, sagt Luis Alberto Moreno, Präsident der Interamerikanischen-Entwicklungsbank.

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