RTL-Aktie profitiert vom Erfolg der Auslandstöchter
Kurse deutscher TV-Konzerne driften auseinander

Die ehemalige „Rockprinzessin“ Christiane zu Salm darf sich freuen. Mit dem Quizsender Neun Live und dem Reiseverkaufskanal Sonnenklar, die sie gegründet hatte, ist die ehemalige MTV-Chefin zur Millionärin geworden. Vergangene Woche erwarb der TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 die beiden Fernsehkanäle für 155 Mill. Euro. Senderchefin Salm gehörten drei Prozent.

HB DÜSSELDORF. Der Käufer, Deutschlands größter Fernsehkette, wird mit dem früher als Schmuddelsender gescholtenen Kanal Neun Live unabhängiger vom darbenden Werbemarkt in Deutschland. Eine Entspannung an der Reklamefront ist nicht zu erwarten. „Es gibt 2005 keine nachhaltige Erholung. Das Jahr hat nicht besser begonnen, als das alte aufgehört hat“, sagt der Londoner Analyst Stefan Weiss von der WestLB. Seine Kollege Florian Leinauer von der Helaba Trust in Frankfurt ist noch skeptischer: „Das erste Quartal wird negativ ausfallen.“ Gerhard Zeiler, Vorstandschef des in Brüssel notierten Fernsehkonzerns RTL Group, wagt überhaupt keine Prognose mehr.

Angesichts des seit Jahren miesen Werbemarkts setzen die Fernsehkonzerne auf neue Einnahmequellen wie Telefongebühren oder Einkaufsfernsehen. Mit der Übernahme von Neun Live und Sonnenklar steigt der Anteil der nicht werbeabhängigen Erlöse bei Pro Sieben Sat 1 von knapp sieben auf etwa elf Prozent. Das sind immer noch vier Prozentpunkte weniger als bei RTL in Deutschland. Im internationalen Vergleich sind die Ergebnisse beider Konzerne aber bescheiden.

Vorbild ist der börsennotierte französische Fernsehkonzern M 6. Das Unternehmen erzielte im vergangenen Jahr rund die Hälfte des Umsatzes mit Telefon, Merchandising, CD, DVD und Bezahlfernsehen – zu Buche standen am Ende Rekordumsatz und -gewinn. „M 6 ist ein Modell für die gesamte Branche“, sagt Medienexperte Weiss.

Die deutschen Fernsehkonzerne kämpfen derzeit an vielen Fronten. Die große Anzahl der Privatkanäle und die starke öffentlich-rechtliche Konkurrenz von ARD und ZDF machen den TV-Konzernen zu schaffen, aber auch die seit Jahren schlechte Binnenkonjunktur. Auch der erfolgreiche Börsengang des Bezahlsenders Premiere hat das Leben der frei empfangbaren Fernsehsender nicht gerade einfacher gemacht. Ihm wollen RTL und Pro Sieben Sat 1 das Bezahlfernsehen nicht allein überlassen. Derzeit wird mit dem größten deutschen Kabelnetzbetreiber KDG über neue Geschäftsmodelle verhandelt. Die Gespräche stehen nach Angaben von Insidern vor dem Abschluss.

An Fantasie fehlt es der Fernsehbranche nicht. Das gilt vor allem für die RTL-Aktie: Ihr Kurs hat sich seit August steil nach oben entwickelt. RTL gehört zu mehr als 90 Prozent dem Gütersloher Medienriesen Bertelsmann und wird in Deutschland kaum gehandelt. Die Aktie profitiert vom breiten Portfolio der Gruppe. Während RTL in Deutschland gegen schlechte Quoten und enttäuschende Umsätze kämpft, legen M 6 in Frankreich und Antena 3 in Spanien Spitzenergebnisse vor. An beiden ist die RTL Group beteiligt.

Bei der Konkurrenz in München geht es hingegen wechselhafter zu. Der Kurs gleicht einer Berg- und Talfahrt. Zuletzt trieben breit gestreute Gerüchte um eine Mehrheitsübernahme der Pro Sieben Sat 1 durch den Minderheitsaktionär Axel Springer Verlag den Kurs nach oben. Die Übernahme von Neun Live und Sonnenklar war bereits eingepreist.

Ende vergangener Woche gab es noch eine positive Überraschung: Die Dividende je Vorzugsaktie wurde auf 0,30 Euro erhöht. 63 Mill. Euro, rund des Hälfte des Bilanzgewinns, wird an die Aktionäre ausgeschüttet. Die Aktie steht zurzeit bei etwas über 14 Euro. „Ein fairer Wert liegt bei 14,50 Euro. Derzeit gibt es kaum noch Luft nach oben“, sagt Medienanalyst Florian Leinauer. Er hat die Aktie daher auf Halten gestellt.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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