Rüttgers gilt als Kandidat
Firmenübernahmen zahlen sich für Anleger häufig aus

Das Geschäft mit Firmenübernahmen ist in Deutschland in diesem Jahr wieder in Gang gekommen. Der prominenteste Deal dreht sich um den Darmstädter Haarpflege- und Kosmetikspezialisten Wella, den der US-Konsumgüterkonzern Procter & Gamble übernehmen will. Daneben stehen zahlreiche Firmen aus der zweiten Reihe vor einem Aufkauf durch Konkurrenten oder Finanzinvestoren.

DÜSSELDORF. Für Privatanleger bieten sich bei vielen Unternehmenskäufen gute Möglichkeiten, ihre Beteiligungen mit Gewinn zu verkaufen. Wer rechtzeitig in Aktien von Übernahmekandidaten investiert, kann beim Verkauf auf eine höhere Abfindung spekulieren. Besondere Chancen ergeben sich beim so genannten Squeeze-out. Hier darf ein Konzern, der 95 Prozent der Aktien eines Unternehmens eingesammelt hat, die verbliebenen Aktionäre aus dem Unternehmen drängen. Der Käufer ist in einem solchen Fall allerdings verpflichtet, Kleinaktionären ein „angemessenes“ Abfindungsangebot für ihre Anteile zu unterbreiten.

Auf das Geschäft mit Unternehmensübernahmen und Squeeze-out-Verfahren spezialisiert hat sich die Hamburger Falkenstein Nebenwerte AG. Im vergangenen Jahr setzte das Unternehmen erfolgreich auf ein Squeeze-out bei Ford- Werke, Apcoa Parking und der Gilde Brauerei. Auch aktuell ist Falkenstein in einigen aussichtsreichen Kandidaten investiert, wie Falkenstein-Vorstand Christoph Schäfers erklärt: „Zu unseren größeren Positionen, bei denen wir Aktien zur Abfindung eingereicht haben zählen Eon Bayern, Rütgers und Aditron. Außerdem halten wir Aktien von Kolbenschmidt Pierburg.“

Erfolgversprechend für Anleger könnte eine Spekulation mit Aktien der Essener Rütgers AG sein. 310 Euro zahlt die übernehmende Firma RAG den Aktionären je Anteilsschein. Dazu kommt ein Anteil an der Dividende in Höhe von 13,29 Euro, der sich nach dem Verkaufstermin richtet. Zwar notiert die Rütgers-Aktie mit einem Kurs von 322 Euro bereits deutlich über dem Abfindungsangebot. Allerdings laufen noch einige Nachbesserungsklagen, die bei einem positiven Entscheid eine Erhöhung des Angebotes nach sich ziehen könnten.

Während die Chancen bei Squeeze-out-Kandidaten mitunter beträchtlich sind, ist das Risiko durch das Übernahmeangebot nach unten begrenzt. Die lukrativste Wette bietet nach Ansicht von Schäfers derzeit die Aktie des Autozulieferers Kolbenschmidt Pierburg, der zu 85 Prozent im Besitz des Rheinmetall-Konzerns ist. 15 Euro je Aktie hat Rheinmetall den freien Aktionären geboten. Bislang haben allerdings erst rund drei Prozent der Anleger dieses Angebot angenommen. Schäfers will daran erkennen, dass der Markt das Angebot für zu niedrig hält. Er geht davon aus, dass Rheinmetall auf jeden Fall auf ein Squeeze-out hinarbeitet und das Angebot folglich noch einmal erhöhen wird. Rheinmetall selbst hat hierzu aber noch keine Aussage getroffen.

Auf eine Nachbesserung des Übernahmegebotes setzen auch die Analysten von HSBC Trinkaus & Burckhardt bei der Aktie des Autozulieferers W.E.T. Ende Mai hatte die kanadische Private-Equity-Gesellschaft HgCapital angekündigt, dass sie von W.E.T.-Gründer Ruthenberg dessen 65,7-Prozent-Anteil übernehmen werde. Den freien Kleinaktionären wurde gleichzeitig ein Abfindungsangebot von 52,70 Euro je Aktie unterbreitet. Auf Grund der soliden Wachstums- und Margenentwicklung von W.E.T. halten die HSBC-Analysten dieses Angebot allerdings für zu niedrig. Sie spekulieren auf eine Nachbesserung des Angebotes auf 57 Euro. Sollte diese Rechnung aufgehen, könnten Anleger, die auf einen Squeeze-out setzen, auf einen „schönen Aufschlag“ hoffen. Aktuell notiert die W.E.T.-Aktie bei 54 Euro.

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