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Russland: Analysten mahnen zur Vorsicht

Der Fall Yukos ist scheinbar abgehakt, der hohe Ölpreis und tiefe Zinsen machen Appetit auf russische Aktien. Anleger sollten ihn zügeln.

Aus den Augen, aus dem Sinn. Am 31. Mai verurteilte ein Moskauer Gericht Michail Chodorkowski zu neun Jahren Lagerhaft. Der russische Aktienindex RTS kletterte seither um 15 Prozent. Zufall? Gewiss, auch Öl, das wichtigste Schmiermittel der russischen Wirtschaft, legte seit dem Schuldspruch gegen den früheren Yukos-Großaktionär weiter zu. Doch das war schon 2004 der Fall, trotzdem stieg der RTS erstmals seit 1999 schwächer als der Schwellenländerindex von MSCI. Die Angst dominierte 2004 Russlandinvestoren: Eigentum zählt nichts, wenn es der Kreml nicht will. Der Anblick Chodorkowskis hinter Gittern - die Bilder schreckten vom Kauf ab. Wer ist der nächste Oligarch, dem der Kreml ans Leder will, fragten sich die Investoren besorgt. Die Deutsche Bank führte in ihren Bewertungskatalog für russische Aktien den Begriff Oligarchenrisiko ein.

Und heute? Das Problem war vergessen - zumindest dem Anschein nach. Bis Präsident Wladimir Putin erneut zuschlug. Er bestätigte Mitte Juli Übernahmegespräche des ineffizienten Gasriesen Gazprom mit dem fünftgrößten russischen Ölkonzern Sibneft. Für dessen Großaktionär Roman Abramowitsch, der über seine Londoner Finanzholding Millhouse Capital 57,5 Prozent von Sibneft kontrolliert, wäre es eine sanfte Enteignung. Abramowitsch ist Fußballfans europaweit bekannt als Eigentümer des Clubs Chelsea London.

"Russland präsentiert Investoren zwei Gesichter: Auf der einen Seite makroökonomische Stabilität, attraktive Wachstumsraten und günstige Bewertungen, auf der anderen Seite Reformverschleppung, Korruption und steigende Kapitalflucht, ausgelöst durch vermehrte Eingriffe des Staats in die Privatwirtschaft", sagt Natalia Siklic, Russlandexpertin des Researchhauses Morningstar. Yukos wird aber als Einzelfall abgehakt. Bundeskanzler Gerhard Schröder sieht in Putin einen "lupenreinen Demokraten" und lobt die Rechtsstaatlichkeit im Lande. "Solange Yukos ein Einzelfall bleibt, muss man keinem Investor vor einem Engagement in Russland abraten", meint Klaus Mangold, Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft. Anleger steigen wieder ein in Moskau.

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