Russland: Lohnt sich der Kauf russischer Aktien?

Russland
Lohnt sich der Kauf russischer Aktien?

Die Ukraine-Krise und die Sanktionen des Westens setzen Russland kräftig zu. Der fallende Rubel und der sinkende Ölpreis belasten den russischen Aktienmarkt. Sollen Anleger jetzt einsteigen?
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DüsseldorfDer russische Aktienmarkt musste zuletzt kräftig Federn lassen. Nicht nur wegen der Sanktionen, sondern auch wegen des fallenden Ölpreises ging es für die Aktien russischer Unternehmen deutlich nach unten. Im November 2014 war der IT-Konzern Apple alleine so viel wert wie der gesamte russische Aktienmarkt.

Ist der gebeutelte Markt nun ein Schnäppchen und eine günstige Einstiegschance? Oder könnten russische Aktien sprichwörtlich das fallende Messer sein, in das man nicht greifen sollte? Einige Analysten äußerten sich nun sehr optimistisch für den russischen Aktienmarkt.

„Wenn es um russische Aktien geht, folgen die Anleger ihrem Bauchgefühl und nicht den Fundamentaldaten. Doch sowohl absolut als auch relativ betrachtet verfügen russische Aktien über Wertpotenzial“, sagt Anna Väänänen, Portfoliomanagerin bei der Credit Suisse, in einem Interview auf der firmeneigenen Webseite. Derzeit würden Anleger allerdings wegen der Turbulenzen beim Ölpreis und beim Rubel nicht auf die Fundamentaldaten achten. Erst wenn sich beide Kurse stabilisieren, werden sich laut Väänänen die Anleger wieder auf die Fundamentaldaten besinnen.

Mit anderen Worten: Anleger müssten jetzt investieren und einfach nur warten, bis die Krise ausgestanden ist. Danach müsse es für russische Aktien wieder aufwärts gehen. Die Portfoliomanagerin sieht vor allem Chancen im Lebensmitteleinzelhandel, im Wohnungsbau und im IT-Sektor. Staatlich kontrollierte Unternehmen empfiehlt sie dagegen eher zu meiden.

Goldman Sachs ist nicht ganz so optimistisch für den gesamten russischen Markt. Vielmehr rät die Investmentbank ganz speziell eine Aktie zu kaufen: Lukoil. Der größte Mineralölkonzern Russlands sei für Goldman Sachs ein „Top Pick“ also eine „Spitzenwahl“ unter den Einzelwerten – vorausgesetzt man wolle zwölf bis 18 Monate warten.

Goldman begründet seine Wahl mit einer voraussichtlich steigenden Produktion und steigenden Dividenden. Die Aktie von Lukoil hat im Januar bereits mehr als zehn Prozent zugelegt. Was auch für die Lukoil-Aktie spreche sei der Aspekt, dass der Konzern vom fallenden Rubel profitiert. Der Ölkonzern verdient sein Geld nämlich hauptsächlich als Exporteur in Dollar und Euro, bezahlt seine Förderkosten allerdings in Rubel. Laut Bloomberg-Daten ist Lukoil zudem im Branchenvergleich ein wahres Schnäppchen. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Lukoil liegt bei vier, während der Branchendurchschnitt bei 14 liegt.

Russische Aktien bieten damit eine Einstiegschance, können aber auch zur Falle werden. „Das russische Banksystem stellt seit dem Rubelverfall ein großes Risiko dar, weil sich die Liquidität der Schuldner verschlechtert und die Zahl potenzieller Kreditnehmer zurückgeht“, warnt Oleg Popov, Vermögensverwalter bei Allianz Investments in Moskau. Anleger sollten damit vor allem beim russischen Banksystem auf der Hut bleiben.

Walter Epp
Walter Epp
Handelsblatt / Freier Mitarbeiter

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