Schmuck als Geldanlage
Manchmal zählen nur die inneren Werte

Wenn schon Gold, dann doch lieber in Form schönen Schmucks. Ziert die Gattin, schmückt die Geliebte, freut das Kind. Aber lohnt Schmuck sich auch als Geldanlage?
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Glücklich machten sie mich beide, aber wer war der cleverere Investor? Mein Vater, der mir als Braut eine zeitlos schöne Goldkette um den Hals legte, oder mein Gatte, der sich zur Geburt unserer Tochter mit dem "Danke, dass du diesen Job übernommen hast"-Klassiker schlechthin bedankte: dem Trinity-Ring von Cartier? Bislang lächelte ich meine Schmuckschatulle gänzlich ohne Hintergedanken an, hütet sie doch kostbare Erinnerungen: Gerissene Silberkettchen aus Kindertagen, Omas altes Armband, zärtliche Liebesgaben und eigene, wunderbar unvernünftige Lustkäufe.

Aber wie war das noch? Unsere Großmütter brachten ihre Kinder oft nur durch den Krieg, weil sie Brosche gegen Brot tauschen konnten? Mein Mutterinstinkt rumort tief drinnen: Bekäme ich meine Kleine so eigentlich auch über’n Winter? Der geschärfte Investorenblick auf meine Kronjuwelen ergibt: Am besten dürften sich Vaters goldene Figaro-Panzerkette, 50 cm lang und ziemlich breit, sowie der Ring, 750er-Gold, wohlverwahrt in der roten Cartier-Box, versilbern lassen. Beide Stücke tief in der Handtasche vergraben, spaziere ich wohlgemut zur Düsseldorfer Königsallee, wo sich die Edeljuweliere drängen. Auch der Hauptbahnhof mit all seinen Altgoldkäufern und Pfandhäusern ringsherum ist nicht weit. Unterwegs dann noch zwei verdruckste Anrufe bei Vater und Ehemann: "Äh, was hat denn dein Geschenk gekostet?" So erfahre und staune ich: Die Kette lag anno 1995 bei rund 1 200 DM, der Ring kostete im Jahr 2004 knapp 600 Euro. So, so.

Zunächst der schnelle Check: Was müsste ich heute für beide Gaben geben? Auf der Kö öffnete mir der Securitymann bei Cartier formvollendet die Tür und fünf Minuten später weiß ich: Für den Ring müsste ich jetzt schon 790 Euro geben, fast 30 Prozent mehr als vor vier Jahren. Wenige Schritte nach rechts liegt eine Christ-Filiale. Eine vergleichbare Figaro-Kette käme dort auf 890 Euro – umgerechnet auch gut 30 Prozent mehr als beim Kauf, allerdings vor 13 Jahren. Damit steht es im Kampf um den Werterhalt 1:0 für den Ring des Ehemanns. Und das, wo mein Vater doch so ein cleverer Kaufmann ist.

Sind die Schmuckpreise denn vergleichbar mit dem Goldpreis gestiegen? Nein, deutlich weniger. Heute liegt Gold bei rund 900 Dollar je Unze. 1995, bei der Hochzeit, waren es 380 Dollar, 2004, bei der Geburt der Tochter, 420 Dollar. Profis macht der hohe Goldpreis offensichtlich nicht nervös, wie der ebenfalls auf der Kö ansässige Juwelier Georg Hornemann, Experte für Hochpreisiges, später erzählt: "Heute werden Modelle erst auf Abruf produziert. Früher hatten die Juweliere volle Lager, heute ist das auch dort alles just in time." Heißt: Profis können hohe Preise aussitzen.

Ein paar Schritte weiter schleuse ich mich, der Platzangst nahe, durch zwei enge Glastüren bei "Rent a Juwelier" ein. Dort kann jedermann eine kleine Ausstellfläche im Schaufenster mieten und auf eigene Rechnung - abzüglich Miete und Versicherung – seine Kostbarkeiten verkaufen. Der Chef dreht und wendet den Ring unter der Lupe, wiegt die Kette aus, dann steht sein Urteil: "Den Ring lässt sich gut verkaufen. Der Name zieht, und Ihre Größe ist Standard." Und die Kette? "Goldwert etwa 200 Euro, möglicher Verkaufspreis vielleicht 400 Euro – falls Sie überhaupt jemanden finden." Schade, auch Klassiker können für Jahre "out" sein, lerne ich. 2:0 für des Gatten Gabe.

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