Schnellrestaurantkette Passport wagt den Tanz auf dem Parkett
Mit deutscher Wurst an die Börse

Die erste Neuemission des Jahres 2003 erinnert an lang vergangene Boomzeiten.

FRANKFURT/M. Dunkle Holzpaneele, glitzernde Kronleuchter, edle Wandteppiche – für seinen Auftritt hat sich Alfred Härle das erste Haus am Platz ausgesucht: den gediegenen Gründerzeitbau des Hotels Frankfurter Hof, mitten im Bankenviertel der Mainmetropole. Der vornehme Rahmen ist der Bedeutung des Ereignisses angemessen, schließlich will der kleine, eher rundliche Unternehmensberater aus Limburg der staunenden Öffentlichkeit den ersten deutschen Börsengang dieses Jahres präsentieren.

Härles Plan: Den Junk-Food-geschädigten Amerikanern die Segnungen europäischer Esskultur nahe bringen und daran kräftig Geld verdienen. „Passport“ heißt die Schnellrestaurantkette mit dem lukullischen Flair Europas, die das von Härle rekrutierte US-Managementteam aus dem Boden stampfen soll. Das nötige Kleingeld, um „Italian Speck“ und „German-Style Sausages“ im großen Stil in die USA zu exportieren, will sich Passport Restaurants Inc. von den Anlegern in Deutschland und Amerika besorgen.

So sieht er also aus, der Börsendebütant Nummer eins des Jahres 2003. Und alles ist fast so wie früher, als sich die Kandidaten für den Neuen Markt im Frankfurter Hof die Klinke in die Hand gaben. Aber nicht nur das edle Ambiente ist gleich geblieben, auch das Konzept von Passport erinnert stark an selige Börsenzeiten: keine Vergangenheit, kaum Gegenwart, aber jede Menge Zukunftsmusik.

Derzeit existiert erst ein Passport-Restaurant. 100 mit einem Gesamtumsatz von 100 Mill. Dollar sollen es laut Pressemitteilung in fünf Jahren werden. Oder liegt das Planziel nicht doch bei 200 Restaurants? So steht es nämlich im rechtlich verbindlichen Börsenprospekt. Das Ziel für den Jahresumsatz je Restaurant liege jedenfalls bei 1 Mill. Dollar, stellt Christopher Thomas klar. Der distinguierte Mann mit dem korrekt gescheitelten dunklen Haar ist der Vorstandschef von Passport, hat 25 Jahre Erfahrung in der Branche und soll Härles Plan in die Tat umsetzen. Dass die bislang einzige Passport-Niederlassung in den ersten sieben Monaten ihres Bestehens nur 111 440 Dollar umgesetzt hat, bringt den Mann nicht aus der Ruhe. „Kein Problem“, meint Thomas, der bereits als Sanierer für die Restaurantkette Planet Hollywood gearbeitet hat. „Am Anfang probiert man immer erst einmal aus, was geht und was nicht geht.“ Da müsse sich das Konzept noch einspielen.

Seite 1:

Mit deutscher Wurst an die Börse

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%