Schon das dritte Jahr in Folge
Nebenwerte stellen Dax in den Schatten

MDax-Aktien legten im bisherigen Jahresverlauf deutlich zu - und Experten sehen gute Chancen für weitere Kursgewinne.

DÜSSELDORF. Der MDax dürfte den Hattrick schaffen. Das Nebenwertesegment schneidet schon das dritte Jahr in Folge besser ab als der Deutsche Aktienindex (Dax). Seit Jahresbeginn hat der MDax, der 50 mittelgroße Titel (Mid-Caps) umfasst, knapp zwölf Prozent an Wert gewonnen, während die 30-Dax- Schwergewichte im Schnitt noch immer knapp fünf Prozent im Minus liegen. Und bis zum Jahresende wird der MDax nach Expertenansicht wohl weiter vorne liegen.

Die Analysten von HSBC Trinkaus & Burkhardt haben eine Reihe von Aspekten ausgemacht, die für den MDax sprechen: Dadurch, dass viele Unternehmen des Index in Nischen tätig seien, hätten sie mehr Preissetzungsspielräume, wodurch das Risiko sinke. Für die Mittelschwergewichte sprächen zudem höhere Margen, geringere Abschreibungen, realistischere Gewinnprognosen sowie eine geringere Anfälligkeit gegen Konjunkturschwankungen (siehe Text oben rechts). Gerade der letzte Punkt werde den MDax-Werten in den kommenden Monaten zu Gute kommen, erklären die Analysten, da sie von der Konjunkturseite keine positiven Nachrichten erwarten.

Doch auch Strategen, die sich mehr von der Konjunktur versprechen, sehen weiter gute Chancen für Nebenwerte: „Wir erwarten, dass Dax und MDax bis Jahresende im Gleichlauf weiter zulegen“, sagt Carsten Klude, Aktienstratege bei MM Warburg. Er sieht für beide Indizes ein Kurspotenzial von zehn bis 15 Prozent. Ein Grund für seinen Optimismus ist die Börsenbewertung der Mid-Caps: „Obwohl der MDax in den vergangenen drei Jahren sehr gut gelaufen ist, sind die Aktien im Index immer noch günstig.“ Dies sei unter zwei Aspekten vorteilhaft. Einerseits böten die noch niedrigen Kurse für Anleger günstige Einstiegsmöglichkeiten, zum anderen machten sie die Unternehmen als Übernahmekandidaten interessant: „Die Übernahmephantasie war in den vergangenen Monaten eine Haupttriebfeder für die Kursgewinne des Sektors und wird sich auch weiterhin positiv auswirken“, erwartet Klude.

Jochen Mathee, Fondsmanager für Nebenwerte bei Invesco, setzt ebenfalls auf Übernahmespekulationen. „Solche Sondergeschichten spielen am Markt eine große Rolle und können für weitere Kursgewinne sorgen“, sagt Mathee. Das Beispiel des Autozulieferers Leoni habe gezeigt, wie Übernahmephantasien Aktienkurse beflügeln können. Gleichwohl hält er das Nebenwertesegment vorerst für ausgereizt. „In der Breite ist der Markt mittlerweile recht gut gelaufen, da erwarte ich erst einmal eine Seitwärtsbewegung.“

Christian Saul, Analyst bei der Vereins- und Westbank erwartet sogar, dass das zweite Halbjahr eher den großen Werten am Aktienmarkt gehören wird. Allerdings hänge vieles davon ab, wie sich die Konjunktur entwickele. „Festere Kurse in den USA in Kombination mit einem stärkeren Dollar wären sicherlich ein Vorteil für Blue-Chips“, sagt Saul. Sollte sich hingegen die Dollar-Schwäche fortsetzen, spräche dies für Mid-Caps, da deren Geschäft stärker auf den deutschen beziehungsweise europäischen Markt konzentriert sei und Wechselkurseffekte eine untergeordnete Rolle spielten. Unter den Mid-Caps favorisiert die Vereins- und Westbank den Pharmakonzern Stada, außerdem die beiden Banken Aareal und Depfa sowie MG Technologies.

Auf positive Effekte einer weiteren Dollarabschwächung setzen die Analysten von HSBC bei Puma und Zapf Creation. Bei beiden Unternehmen fällt ein Großteil der Kosten in Dollar an, während der Umsatzanteil im Dollarbereich geringer ist. Zu den weiteren HSBC-Favoriten zählt Schwarz Pharma.

Ralf Drescher
Ralf Drescher
Handelsblatt.com / Teamleiter Finanzen (bis 29.2.2012)
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