Schutz vor Inflation: Spezialbonds bieten Sicherheit

Schutz vor Inflation
Spezialbonds bieten Sicherheit

Obwohl bei inflationsgeschützten Staatsanleihen die Renditen nominal im Minus sind, sind die Spezialbonds attraktiver als Anleihen ohne den Schutz. Vor Kursverlusten können aber auch diese nicht schützen.
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FrankfurtAuf den ersten Blick ist es widersinnig: Anleger, die inflationsgeschützte deutsche Anleihen erwerben, nehmen Verluste in Kauf. Die Renditen liegen für Laufzeiten von vier bis elf Jahren zwischen minus 1,2 und minus 0,1 Prozent pro Jahr. Allerdings: Die Zinsen für die Papiere werden alle drei Monate, die Rückzahlungswerte bei Fälligkeit oder dem vorzeitigen Verkauf an die europäische Inflationsrate angepasst. Und die lag zuletzt bei 2,6 Prozent.

Von daher machen Investoren derzeit mit den inflationsindexierten Bundesanleihen einen besseren Schnitt als mit denen ohne Schutz. Denn dort liegen die nominalen Renditen für vier- bis elfjährige Papiere zwischen knapp 0,6 und 1,8 Prozent – für die reale Rendite muss aber die Inflation abzogen werden. 
Aus der Differenz, der nominalen Renditen und der realen Renditen der auch Linker genannten Anti-Inflationsbonds, lassen sich grob die Inflationserwartungen ablesen. Die liegen demnach in den nächsten elf Jahren bei nur 1,7 Prozent. Wenn die Teuerungsrate über die ganze Laufzeit höher ist, haben Investoren mit inflationsgeschützten Anleihen ein besseres Geschäft gemacht als mit herkömmlichen Bonds.

„Trotz der negativen realen Renditen sind die Linker attraktiver als die nominalen Anleihen“, urteilt Alan James, der bei der britischen Großbank Barclays das Research für inflationsindexierte Anleihen leitet. Ein Grund ist für ihn, dass die Inflation schon jetzt über der erwarteten Rate liegt. James sieht zudem Risiken, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Teuerungsrate längerfristig nicht auf ihrem angestrebten Niveau um die zwei Prozent halten kann – sie also darüber steigen wird.

Die Chefvolkswirte von Deutscher Bank, Commerzbank und Dekabank sehen das noch drastischer. Sie gehen zwar auf Sicht von ein, zwei Jahren noch von moderaten Inflationsraten aus, rechnen aber danach mit einem Anstieg auf drei bis vier Prozent, wobei die Verbraucherpreise in Deutschland noch deutlicher steigen sollten. Ihr Rat an Privatanleger lautet deshalb, bei Staatsanleihen im Euro-Raum mehr oder weniger ausschließlich inflationsindexierte Papiere zu kaufen.

Für Investoren, die auf absolute Sicherheit setzen, bleiben dabei aber letztlich nur die deutschen Papiere. Mit 48 Milliarden Euro sind sie aber nicht das Schwergewicht am Euro-Linker-Markt, der laut Barclays 336 Milliarden Euro schwer ist. Den Löwenanteil machen Bonds aus Frankreich und Italien aus.

Vor Kursverlusten schützen jedoch auch die Anleihen mit Inflationsschutz nicht. Wenn die Investoren anfangen, über Zinserhöhungen der EZB zu spekulieren oder sich die Wirtschaft im Euro-Raum bessert, dürften auch die Kurse der Linker mit ihren niedrigen Realrenditen unter Druck geraten.

Höhere Renditen bieten generell Anleihen von Unternehmen, indes inflationsindexierte Firmenbonds sind Mangelware. „Es gibt nur wenige Unternehmen, deren Einnahmen proportional zur Inflation in der Euro-Zone steigen. Zudem ist es für die Unternehmen günstiger, sich über andere Instrumente vor einem Inflationsanstieg abzusichern“, erklärt dazu James.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin

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