Schwache Prognose für 2008
In London wächst die Unsicherheit

In der Londoner City geht die Angst um. Die Angst davor, dass im nächsten Jahr alles noch schlimmer wird als in den vergangenen Monaten, die Angst, dass die weltweite Kreditkrise endgültig die Realwirtschaft ansteckt und die Konjunktur abwürgt. Entsprechend fallen die Prognosen vieler Großinvestoren und Analysten für die Londoner Börse im kommenden Jahr aus.

LONDON. Fondsmanager Colin McLean von SVM Asset Management fürchtet, dass die internationale Kreditkrise die britische Wirtschaft und vor allem den Immobilienmarkt hart treffen wird. Mit dieser Einschätzung steht er nicht allein da. Im November fielen die Hauspreise auf der Insel den dritten Monat in Folge, das ist die längste Verlustserie seit 1995. Gleichzeitig brach das Verbrauchervertrauen auf den tiefsten Stand seit 2004 ein. Die meisten Volkswirte sagen für die britische Wirtschaft für 2008 nur noch ein Wachstum von zwei Prozent voraus, nach knapp drei Prozent in diesem Jahr.

Vor diesem Hintergrund sehen die Strategen der Investmentbank Morgan Stanley den britischen Leitindex FTSE-100 Ende 2008 bei etwa 6 300 Zählern, das wären rund 200 Punkte weniger als heute. Bereits in den vergangenen zwölf Monaten kam der FTSE kaum voran. Nach einer dramatischen Achterbahnfahrt in der zweiten Jahreshälfte liegt das Marktbarometer derzeit bei rund 6 520 Punkten, ein Plus von 5,5 Prozent im Vergleich zum Jahresanfang.

Beim Blick in die Zukunft spaltet vor allem eine Branche die Auguren: 2007 zählten Bank-Aktien zu den großen Verlierern, werden sie im kommenden Jahr auf der Sonnenseite stehen, oder stürzen die Finanztitel weiter ab? Vom Schicksal der Finanzwerte könnte am Ende auch die Entwicklung des gesamten FTSE-100 Indexes abhängen, immerhin macht die Branche mehr als ein Viertel des Börsenbarometers aus.

Martin Gilbert, Chef der Fondsgesellschaft Aberdeen Asset Management, glaubt, dass es allmählich wieder Zeit wird, Bankaktien zu kaufen. Nicht weil er ein plötzliches Ende der großen Kreditkrise voraussagt, sondern schlicht und einfach weil die Geldhäuser an der Börse so tief gestürzt sind. Finanztitel seien mittlerweile so günstig bewertet wie seit 35 Jahren nicht mehr, betont Gilbert.

Optimisten wie er hoffen, dass die Investoren wieder Vertrauen zu Bankaktien fassen, sobald die Bilanzen für das Jahr 2007 auf dem Tisch liegen, und die Furcht vor weiteren milliardenschweren Abschreibungen nachlässt. Außerdem würden Finanztitel besonders von den erwarteten Zinssenkungen der Bank of England profitieren. Die Märkte haben angesichts der sich rapide abkühlenden Konjunktur für 2008 zwei weitere Zinsschritte nach unten eingepreist. Damit würde der britische Leitsatz auf fünf Prozent sinken.

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