Schwacher Aktienmarkt in Südafrika
Sorgen am Kap

Der kräftige Aufschwung an Südafrikas Börse verpufft. Konjunktursorgen lassen den Aktienmarkt einbrechen, 15 Prozent hat er seit Ende Mai verloren. Doch eine Rezession drohe nicht, beruhigen Experten - und begründen das mit einem besonderen Sportereignis.

JOHANNESBURG. Wie die übrige Wirtschaft am Kap leidet nun auch die Johannesburger Börse (JSE) zunehmend unter der abgekühlten Weltwirtschaft sowie der tiefen Krise im Nachbarland Simbabwe: Seit ihrem Allzeit-Hoch Ende Mai von rund 33 300 Punkten hat der südafrikanische Aktienmarkt über 15 Prozent an Wert verloren – und damit alle seit Jahresbeginn gemachten Gewinne wieder eingebüßt. Mit knapp 28 175 Punkten schloss die JSE gestern auf ihrem tiefsten Wert in diesem Jahr.

Zuvor war der starke Einbruch vieler Branchen wie dem Einzelhandel oder des Bankwesens von dem boomenden Rohstoffsektor verdeckt worden, der die JSE noch immer eindeutig dominiert. So machen allein die beiden großen Minenhäuser Anglo American und BHP Billiton, die ihre Hauptnotierung in London haben, über ein Viertel des Börsenwerts der JSE aus.

Der starke Einbruch der JSE in den letzten Handelstagen wurde von Analysten vor allem mit dem Rückzug ausländischer Investoren aus den Schwellenländern begründet. Die jüngsten Turbulenzen an den Finanzmärkten hätten die Risikobereitschaft zu Investitionen in Emerging Markets wie Südafrika deutlich geschmälert, sagte Iain Power von RMB Management. Zudem seien die Anleger über die Entwicklung im krisengeschüttelten Simbabwe besorgt, weil Folgen für die Region, insbesondere für Südafrika, möglich sind.

Erschwerend kommt hinzu, dass das Wirtschaftswachstum am Kap vermutlich deutlich schwächer ausfallen wird als Beobachter zu Jahresbeginn erwartet hatten. Statt mit einer Zunahme von 4 Prozent rechnen viele Analysten nun nur noch mit einem Zuwachs zwischen zwei und drei Prozent. Zudem hat die eingebrochene Verbrauchernachfrage am Kap tiefe Spuren in der verarbeitenden Industrie hinterlassen. Als Gefahr für die Wirtschaft gelten aber auch die im Mai auf 10,9 Prozent gestiegene Inflation sowie das hohe Leistungsbilanzdefizit von 9,5 Prozent – das höchste seit über 20 Jahren. Schließlich hat die mehrmalige Erhöhung der Leitzinsen die private Bauwirtschaft schwer getroffen.

Schon wegen der hohen staatlichen Investitionen in die Infrastruktur im Vorfeld der Fußball WM 2010 sieht Chris Hart, Chefökonom von Investment Solutions in Johannesburg, aber keine Gefahr für eine generelle Rezession. Zwar sei es möglich, dass der Gesamtindex bis zum Jahresende wegen der Ballung schlechter Nachrichten um weitere 10 Prozent auf 25 000 Punkte nachgebe. Gleichwohl sollte ein stärkeres Durchsacken schon von dem anhaltenden Rohstoffboom verhindert werden. Während die Finanztitel seit Jahresbeginn fast 30 Prozent an Wert verloren haben, befindet sich der Rohstoffindex insgesamt nach wie vor klar im Plus, auch wenn die Minenwerte zuletzt Federn lassen mussten. Zu den Enttäuschungen zählte dabei erneut der JSE-Goldindex, der seit Jahresbeginn lediglich um 4 Prozent gestiegen ist. Der Grund: Einmal mehr machen den Förderern des gelben Metalls Sicherheitsprobleme aber auch die relativ hohen Förderkosten zu schaffen.

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