Schwacher Börsenmonat Mai steht vor der Tür
Investoren suchen alternative Strategien

Die stagnierenden Märkte lassen bei den Anlegern Ungeduld aufkommen. Die Banken halten indes an ihren optimistischen Prognosen fest.

FRANKFURT. Bei den Anlegern kommt allmählich Ungeduld auf. Der Grund: Der Deutsche Aktienindex (Dax) stagniert bereits den gesamten April über bei rund 4 000 Punkten, wenn die Tendenz auch in den letzten Tagen steigend war. Viele fragen sich deshalb: Ist es weiter sinnvoll, darauf zu setzen, dass die von den Banken prognostizierten Dax-Jahresschlussstände zwischen 4 300 und 4 700 Punkte sich bewahrheiten? Oder empfiehlt es sich, stattdessen abseits des Trends zu investieren – zumal der gewöhnlich schwache Börsenmonat Mai vor der Tür steht und schon kurz darauf die Urlaubssaison folgt, in der die Umsätze eher dünn sind

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Der bequemere Weg ist sicherlich, weiterhin auf die Dax-Prognosen zu setzen. Mit Indexzertifikaten wären so relativ einfach Zuwächse zwischen vier und 13 Prozent bis zum Jahresende zu erreichen. Es müsste nur so kommen, wie von den großen Banken vorhergesagt. Das war leider in den vergangenen Jahren nicht immer der Fall.

Gerade deswegen ist derzeit das Interesse der Investoren an Strategien „abseits der ausgetretenen Pfade“ groß. Viele Vermögensberater wie Peter Huber von der Fondsgesellschaft Starcapital setzen deshalb auf eine antizyklische Anlagestrategie. Zwei Möglichkeiten gibt es dabei: „Entweder versucht der Investor, eine Schwächephase für den Einstieg zu nutzen, oder er stemmt sich gegen das Gros der anderen Anleger.“ Derzeit geht er den ersten Weg. Techwerte und Frühzykliker wie Chemie, Stahl oder Maschinenbau, die in einer frühen Phase der Konjunkturerholung überdurchschnittlich profitieren, hat er aus dem Depot genommen und setzt stattdessen auf Aktien aus den Bereichen Bau, Öl, Telekom, Versorger und Versicherungen, die im Moment wenig en vogue sind. Für diese Titel spricht seiner Meinung nach, dass sie nur schwach zyklisch sind und mit Ausnahme der Ölwerte auch weniger stark von der Entwicklung des Dollars abhängen. Dessen Kurssprünge in den vergangenen Monaten haben ihn vorsichtig werden lassen.

In eine ähnliche Richtung geht auch Uwe Zöllner, der bei der Templeton Global Equity Group für die globale Aktienauswahl zuständig ist. Auch er hat sich inzwischen von Werten aus zyklischen Branchen wie Metalle oder Rohstoffe getrennt. Auch die Aktien des schwedischen Automobilbauers Volvo hat er verkauft. „Vor einem Jahr galten Zykliker als billig, nun ist aber jeder aufgesprungen“, begründet er diesen Schritt. Stattdessen setzt er auf Papiere aus den Bereichen Pharma, Medien oder – wie Huber – auf Ölwerte. „Hier findet sich Qualität mit stabilen Gewinnen und einem soliden Cash-Flow“, sagt Zöllner. Dabei rät er den Anlegern, saisonale Effekte wie die gewöhnlich schlechte Börsenentwicklung im Mai oder das schwache Sommergeschäft bei ihren Anlageentscheidungen völlig außer Acht zu lassen.

Auf Bankenseite hält man hingegen weiter an den optimistischen Prognosen fest. Stefan Steib von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) sieht den Dax am Jahresende trotz der gegenwärtigen Stagnationsphase bei 4 700 Punkten. Durch den gestern vorgelegten Ifo-Geschäftsklima-Index sowie die bisher sehr guten Quartalszahlen speziell aus den USA fühlt er sich dabei bestätigt. Dort hat bislang der Großteil der Unternehmen die Märkte positiv überrascht.

Doch trotz der bereits erfreulichen Dax-Prognose hat auch der LRP–Fachmann Favoriten, denen er in diesem Jahr eine noch bessere Entwicklung als dem Vergleichsindex zutraut. Dabei unterscheidet er nach der Risikobereitschaft eines Anlegers. „Bei Werten aus der Basischemie sind die Risiken überschaubar und die Chancen gut“, sagt Steib. Geht es hingegen in den Techbereich, ist Risikobereitschaft und vor allem Branchenkenntnis gefragt. Steib sieht hier für den Chip- oder den Mobilfunksektor die Chancen wegen der zuletzt bereits guten Entwicklung begrenzt, weil dort in den Kursen bereits vieles von den guten Perspektiven enthalten sei. Stattdessen fällt ihm die Auswahl bei deren Zulieferern leichter, da diese gewöhnlich zeitverzögert von den Entwicklungen ihrer Abnehmer profitieren. Jenoptik zählt deshalb zu Steibs Favoriten.

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