Schweiz
Wetterleuchten über dem Wohlstandsberg

In der Schweiz wanken die Stützen des vergangenen Booms. Experten warnen, dass die Eidgenossen deshalb diesmal nicht so glimpflich durch die weltweite Wirtschaftskrise kommen werden wie in der Vergangenheit. Der Aktienmarkt spiegelt das bereits wider.

ZÜRICH. Die Schweizer Unternehmen und Banken stellen sich für 2009 auf eine Durststrecke ein. Die wichtigsten Exportmärkte der Schweizer Wirtschaft befinden sich entweder bereits in einer Rezession oder stehen kurz davor. Und auch die Alpenrepublik selbst ist von der Finanz- und Wirtschaftskrise voll erfasst worden.

Die Nationalbank geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im nächsten Jahr um bis zu einem Prozent schrumpfen wird. Der Konsum stagniert bereits. Ohne Impulse aus dem Aus- und Inland werden Umsätze und Erträge der helvetischen Firmen unter Druck geraten. Und ohne diese fundamentalen Stützen dürften es auch die Börsenkurse schwer haben.

Meist sind die Eidgenossen in der Vergangenheit besser durch die Konjunkturtäler marschiert als die meisten ihrer europäischen Nachbarn. Vor allem dank ihrer internationalen Ausrichtung und ihrer hohen Wettbewerbsfähigkeit verlief der Wachstumseinbruch weniger dramatisch und die Schweizer Firmen haben meist schnell wieder Tritt gefasst.

Die vergangenen vier Rezessionen der vergangenen 20 Jahre dauerten meist nur wenige Quartale. Entsprechend robust zeigte sich der Schweizer Aktienindex SMI. Nur nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 gab es einen Absturz. In den übrigen Wirtschaftsflauten zuckte die Börse nur kurz. "Der Schweizer Aktienmarkt war immer schon etwas defensiver als andere", sagt Thomas Steinemann, Marktstratege bei der Privatbank Vontobel.

Mit einem vergleichsweise immer noch recht robusten Konsum und einem gesunden Immobiliensektor ist die Schweiz auf den ersten Blick auch diesmal wieder besser für die Krise gerüstet als ihre Nachbarn. Experten warnen jedoch, dass die Eidgenossen diesmal nicht so glimpflich davon kommen werden. Der Aktienmarkt spiegelt das bereits wider: Mit einem Minus von rund 35 Prozent befindet sich der Börsenindex SMI im Gleichschritt mit den meisten anderen Börsenplätzen. Zudem sind die Säulen des Booms, der Finanzsektor und die Exportwirtschaft, jetzt die Sorgenkinder.

Nach Ansicht von Steinemann sind die schlechten Wirtschaftsdaten allerdings schon weitgehend in den aktuellen Kursen enthalten. "Wenn es nicht noch sehr viel schlimmer kommt, haben wir weitgehend eine faire Bewertung erreicht", glaubt der Vontobel-Stratege. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der Schweizer Aktien ist kräftig gesunken und liegt jetzt mit etwa 10 weit unter dem langfristigen Durchschnitt von 16.

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