Schweizer Franken und die Börse: Märkte als Spielball der Notenbanken

Schweizer Franken und die Börse
Märkte als Spielball der Notenbanken

Die Schweizer Notenbank hat für heftige Turbulenzen an den Märkten gesorgt und wieder einmal gezeigt, wie mächtig die Notenbanken sind. Nicht umsonst heißt eine alte Börsenweisheit: Spekuliere nie gegen die Notenbank!
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DüsseldorfDie Schockwellen sind noch immer zu spüren. Auch am Tag nachdem die Schweizer Notenbank angekündigt hat, die Bindung des Schweizer Franken an den Euro aufzuheben, reagieren Anleger verschnupft und fliehen aus Schweizer Aktien. Der Standardwerteindex SMI rutschte am Freitag zeitweise um fast sechs Prozent ab.

Der überraschende Rückzug der SNB hatte die Finanzwelt am Donnerstag kalt erwischt. Der Dax stürzte um mehrere hundert Punkte ab, erholte sich dann aber schnell wieder und schloss im Plus oberhalb der Marke von 10.000 Punkten. Anders an der Börse in Zürich: Der SMI stürzte um neun Prozent in die Tiefe. Das ist der größte Tagesverlust seit 25 Jahren und der zweitgrößte seiner Geschichte.

Für noch größere Verwerfungen hatte die Ankündigung der Währungshüter am Devisenmarkt gesorgt. Am Donnerstag hatte der Euro fast 30 Prozent zum Franken verloren. Eine Katastrophe für die Wirtschaft im Nachbarland – und für viele Devisen-Spekulanten. „Die Spekulation auf Währungskursveränderungen ist ein gewagtes Glücksspiel“, kommentiert Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Ausschläge können immens sein, wie Anleger schmerzhaft erleben mussten. Der Euro-Mindestkurs von 1,20 Franken gilt nicht mehr, Parität – also ein Franken gleich ein Euro – lautet die Gleichung am Freitag. Damit notiert der Franken auf Vortagesniveau.

Nach Meinung von Stephan Risse von der hanseatischen HPM Portfoliomanagement sei für viele Anleger der 1999 verstorbene Börsenaltmeister Andre Kostolany ein Mann mit alten amüsanten Börsenanekdoten der Vergangenheit gewesen. „Wer aber sein Ende der 80er Jahre erschienenes Buch ,Und was macht der Dollar? Im Irrgarten der Währungsspekulation‘ gelesen hat, wäre nicht im Traum darauf gekommen, sich auf die Euro-Franken-Spekulation einzulassen“, meint der Portfoliomanager.

Wie mächtig die Notenbanken sind und wie wichtig ihre Entscheidungen für die Märkte sind, zeigt auch eine alte Börsenweisheit: Spekuliere nie gegen die Notenbank! Philipp Dobbert ist überzeugt, dass diese Börsenweisheit fast immer stimmt. „Gerade im heutigen Börsenumfeld sollte jeder Anleger vermeiden, sich gegen den Wind zu lehnen, der dem Markt aus der Chefetage der Zentralbanken entgegenweht“, sagt der Chefvolkswirt der Quirin Bank.

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  • Kann es sein, das dieses Vorgehen der Schweizer einfach genial ist ???? Es bietet sich doch jetzt - nachdem die USA und D en Schweizern die Kavallerie geschickt haben und die Grundlageder Existenz weiter Teile der Finanzindustrie entzogen haben die Möglichkeit für Schweizerische Investoren billigst an den Aktienmärkten auf Einkaufstour zu gehe nach dem Motto wen wir nicht bekämpfen können kaufen wir eben! Es fehlt dann noch, das die schweizerische Notenbank nach einer gewissen Schamfrist den ursprünglichen Umtauschkurs durch massive SFR Verkäufe wieder herstellt...Mit den so erzielten Gewinnen ließen sich doch die vergleichsweise marginalen "Kollateralschäden" leicht kompensieren. Phantasiere ich da ?

  • "Der Atem der Notenbanken ist länger als der Atem der Anleger"

    Es gibt von der Regel allerdings Ausnahmen. Je nach Bedeutung der Notenbank fallen auch die Chancen, gegen so eine Bank zu spekulieren anders aus. Beispielsweise musste die SNB hvor den Märkten kapitulieren. Auch die EZB ist nicht gegen einen Käuferstreik oder das Platzen der Anleiheblase immun. Die EZB kann zwar eine zeitlang gegenhalten, aber am Ende wird sie ebenso Kapitulieren und somit den Euro faktisch aufgeben wie die SNB, wenn die Anleger das Vertrauen verlieren. Das sind allerdings Ausnahmesituationen.

  • Nachtrag: Aktien beinhalten durchaus auch in gewissem Sinne eine "gespeicherte Arbeitsleistung und Energie": nämlich die des dahinterstehenden Unternehmens. Wenn hinter Aktien kaum eine Arbeitsleistung "dahintersteht (wie damals bei zahlreichen New-Economy-Aktien) wird der Markt früher oder später eine Spekulationsblase immer "korrigieren". Dass man Aktien aber auch "verwässern" kann (durch Neuemissionen etwa bei Kapitalerhöhungen), weiß jeder Aktionär und kann entsprechend handeln.
    Aus diesen Überlegungen heraus ist natürlich auch das heutige ATH des DAX (mit darin abgebildeten "soliden" Blue-Chips-Aktien) folgerichtig - wobei Aktien einen hervorragenden Inflationsschutz, jedoch einen äußerst schlechten Deflationsschutz darstellen.

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