Schwellenländer
Brasilien lockt Anleger an

Viele Experten sehen die aufstrebenden Schwellenländer auf der Überholspur. Besonders im Blick: Brasilien.

HB FRANKFURT. Der Blick auf die jüngste Kursentwicklung vieler Aktienfonds lässt Fondsmanager und Anleger schaudern. Trotz Rekordständen an vielen Börsen im vergangenen Jahr lagen sie mit einzelnen Regionen und Stilrichtungen zum Teil völlig daneben. Deutsche und japanische Nebenwerte enttäuschten zum Beispiel ebenso wie viele Osteuropa- und US-Aktienfonds. Nachdem sich die US-Immobilienkrise zum Jahresausklang immer stärker ausgeweitet hat, flohen die Anleger regelrecht aus Aktienfonds. So zogen sie allein im November netto rund 25,4 Mrd. Euro aus europäischen Aktienfonds ab – ein laut dem Datenanbieter Lipper bis dato nicht da gewesener Rekordwert.

Mit den Aufräumarbeiten folgt nun die Phase der Neuorientierung. Das ist umso schwieriger, weil gerade die aktuell unübersichtliche Marktsituation den Blick auf chancenreiche Aktienfonds beziehungsweise -märkte erschwert. Kein Wunder, dass sich in diesem Umfeld viele Investoren besonders diejenigen Fonds ansehen, die im vergangenen Jahr extrem verloren haben, um sie in puncto Nachholpotenzial abzuklopfen. Dazu gehören zum Beispiel Japan-Aktienfonds, die im vergangenen Jahr besonders schlecht abgeschnitten haben. Nebenwerte-Fonds haben in dieser Periode im Schnitt rund 24 Prozent an Wert verloren, bei den Marktschwergewichten waren immerhin 17 Prozent zu verkraften.

An eine Renaissance der Börse Tokio glauben inzwischen etliche Experten. „In Japan sind allein aus Währungssicht 30 Prozent an Kurssteigerungen möglich“, sagt Ulrich Kater, Chef-Volkswirt der Dekabank. Hintergrund ist, dass der japanische Yen im vergangenen Jahr gegenüber dem Euro stark an Wert verloren hat. Nach Ansicht der Experten kann sich dieser Trend nunmehr umkehren – auch wegen der soliden wirtschaftlichen Entwicklung in Japan. Von einer generellen Trendwende zu sprechen, ist allerdings noch zu früh, überwiegt doch bei den Investoren in vielen Fällen der Ärger über die schlechte Performance. „Japan hat sich als herbe Enttäuschung erwiesen, wir gewichten den dortigen Aktienmarkt daher weiter stark unter“, sagt Helmut Kaiser, Global Chief Investment Officer bei der Deutschen Bank.

Spannend bleibt für viele Investoren, wie es mit den Emerging Markets weitergehen wird. Egal, ob in Südamerika oder Südostasien, in China oder der Pazifik-Region – überall dort erzielten Aktienfonds im vergangenen Jahr mehr Rendite als in den etablierten Märkten in Europa und den USA. Dass sich diese Entwicklung in diesem Jahr fortsetzen wird, hoffen viele Investoren. Experten raten jedoch dazu, in den Emerging Markets etwas stärker zu differenzieren als bisher. Generell bleiben jedoch sowohl die Bric-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) als auch die Region Süd- und Mittelamerika besonders aussichtsreich. In beiden Fällen spielt Brasilien eine dominante Rolle. Gerade erst hat die US-Investmentbank Merrill Lynch Fondsmanager nach chancenreichen Märkten befragt. Dabei wurde Lateinamerika als interessanteste Anlageregion unter den aufstrebenden Volkswirtschaften ausgemacht.

Brasilien gilt als spezieller Favorit. 62 Prozent der Anlageexperten sehen dort mehr als in jedem anderen Land der Region die größten Chancen. Viele Faktoren kommen dort zusammen. Zum einen ist das Land reich an Rohstoffen, erlebt derzeit eine Übernahmewelle und verfügt mit Unternehmen wie etwa Petrobras und Vale über weltweit bedeutende Gesellschaften. Hinzu kommt die Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 2014, die das Land nach Aussagen von Experten in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit rückt. Wer als Anleger im eigenen Land bleiben möchte, dem empfehlen Experten im Moment eher einen Fonds, der sich auf deutsche beziehungsweise europäische Standardwerte konzentriert. Die Marktschwergewichte entwickeln sich in Zeiten schwankender Börsen und unsicherer Konjunktur erfahrungsgemäß weitaus stabiler als die schwankungsanfälligen Nebenwerte.

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