Schwellenländer
Bric-Börsen: Unheimlicher Aufschwung

Die Börsen vieler Schwellenländer haben sich zuletzt deutlich erholt. Nach dem Absturz im vergangenen Jahr legte der MCI Emerging Market-Index seit Anfang Januar um knapp neun Prozent zu. Zum Vergleich: Der Deutsche Aktienindex (Dax) verlor ein Zehntel an Wert. Doch die Experten trauen dem Frieden nicht.

FRANKFURT. Besonders gut kommen die vier großen Volkswirtschaften Brasilien, Russland, Indien und China davon - kurz: die Bric-Staaten. In Schanghai schoss der chinesische Leitindex um 34 Prozent nach oben; an der Copacabana steht ein Plus von immerhin 17 Prozent zu Buche; der indische Sensex legte um knapp zehn Prozent zu; und auch an der Börse in Moskau, wo der Absturz im vergangenen Jahr besonders heftig war, zeigt die Kurve des RTX steil nach oben: Rund 23 Prozent kletterten die Aktien der wichtigsten russischen Unternehmen.

Dennoch: Die Experten trauen dem Frieden nicht; der rasante Aufschwung scheint ihnen fast ein wenig unheimlich zu sein. "Um von einer Trendwende zu sprechen, ist es zu früh. Die aktuellen Konjunkturdaten aus den Industriestaaten und den Schwellenländern geben wenig Anlass zu Optimismus", sagt Thomas Gitzel, Schwellenländerexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Der kräftige Wirtschaftseinbruch in den Industriestaaten trifft auch die Bric-Staaten hart, obwohl sie mit der Krise auf dem US-Hypothekenmarkt ursprünglich nichts zu tun hatten. Zwar ist die Inlandsnachfrage in den großen Schwellenländern deutlich stärker geworden. Der Binnenmarkt kann den Einbruch bei den Exporten aber nur teilweise kompensieren. An die Theorie, dass sich die großen Schwellenländer von der Entwicklung in den Industriestaaten vollkommen abkoppeln, glauben nur noch die größten Optimisten.

Selbst China, einst als Wirtschaftswunderland und neue Konjunkturlokomotive Asiens gefeiert, leidet. Um gerade einmal sechs Prozent wird die Wirtschaft der Volksrepublik Schätzungen zufolge in 2009 wachsen. Was aus europäischer Sicht nach einem dicken Plus klingt, ist für die Parteioberen in Peking ein Problem. Denn nur bei Wachstumsraten von acht Prozent und mehr finden sich Jobs für das Heer an Wanderarbeitern. Allein 20 Millionen Jobs gingen in den vergangenen Monaten verloren. Besserung ist so bald nicht in Sicht. "Der starke Rückgang der chinesischen Wirtschaft wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen", sagt Louisa Lo, Leiterin Aktien Asien bei Schroders. Erst gegen Jahresende werde sich die Situation wieder stabilisieren.

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