Schwellenländer
„Es wird keine Staatspleiten geben“

Nach dem historischen Absturz im vergangenen Jahr haben sich die Börsen in den Schwellenländern zuletzt erholt. Noch allerdings ist das Gröbste nicht überstanden. Experten rechnen mit empfindlichen Rückschlägen. Eine Sorge aber halten sie für unberechtigt.

STUTTGART. Die Rally an den Schwellenländerbörsen ist schon ein wenig unheimlich. Nach dem dramatischen Absturz 2008 ging es in den ersten vier Monaten kräftig bergauf. Die Börsen in China etwa legten mehr als ein Drittel zu.

Dennoch: Die Experten trauen dem Frieden nicht. "Um von einer Trendwende zu sprechen, ist es zu früh. Die aktuellen Konjunkturdaten aus den Industriestaaten und den Schwellenländern geben wenig Anlass zu Optimismus", sagte Thomas Gitzel, Schwellenländerexperte bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), bei einer Podiumsdiskussion der Verlagsgruppe Handelsblatt auf der Anlegermesse Invest in Stuttgart.

Der kräftige Wirtschaftseinbruch in den Industriestaaten trifft die Schwellenländer hart, obwohl viele mit der Krise auf dem US-Hypothekenmarkt ursprünglich nichts zu tun hatten. Zwar ist die Inlandsnachfrage in den großen Schwellenländern, den Bric-Staaten deutlich stärker geworden. Der Binnenmarkt kann den Einbruch bei den Exporten aber nur teilweise kompensieren. An die Theorie, dass sich die großen Schwellenländer von der Entwicklung in den Industriestaaten vollkommen abkoppeln, glauben nur noch die größten Optimisten. "Zumindest nicht, was die nächsten Jahre betrifft", sagte Ekkehard Wiek, Vermögensverwalter in Singapur. Der Asienkenner bleibt deshalb vorsichtig. Anleger, die ihr Geld in chinesische Unternehmen investieren wollen, sollten viel Geduld mitbringen, sagt Wiek. Die Schwankungen an den Börsen dort seien viel größer als in Deutschland, weil die Chinesen ihr Geld weitaus spekulativer einsetzten.

Selbst China, einst als Wirtschaftswunderland und neue Konjunkturlokomotive Asiens gefeiert, leidet derzeit heftig unter den Folgen der Finanzkrise. Um gerade einmal sechs Prozent wird die Wirtschaft der Volksrepublik Schätzungen zufolge in 2009 wachsen. Was aus europäischer Sicht nach einem dicken Plus klingt, ist für die Parteioberen in Peking aber ein goßes Problem. Denn nur bei Wachstumsraten von acht Prozent und mehr finden sich Jobs für das Heer an Wanderarbeitern. Allein 20 Millionen Jobs gingen in den vergangenen Monaten verloren. Besserung ist so bald nicht in Sicht. "Der starke Rückgang der chinesischen Wirtschaft wird sich in den kommenden Monaten fortsetzen", sagt Louisa Lo, Leiterin Aktien Asien bei Schroders. Erst gegen Jahresende werde sich die Situation wieder stabilisieren. Sollte es länger dauern, ehe sich die Lage verbessert, befürchten die Experten, dass es wegen der hohen Arbeitslosenzahlen zu sozialen Unruhen kommen könnte.

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