Schwellenländer
Investments mit Risiken und Nebenwirkungen

Einst galten die Schwellenländer als heißester Anlagetrend. Jetzt gilt das Gegenteil. Die großen Banken raten dazu, Geld aus den Emerging Markets abzuziehen. Warum Anleger nicht mehr auf Schwellenländer setzen.
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New YorkSchwellenländer ließen bis vor kurzem noch die Herzen der Börsianer höher schlagen. BRIC oder MIST waren Abkürzungen, die für steigende Kurse und ertragreiche Investments standen. Doch die Stars des Börsenhimmels verlieren an Glanz. Vergangenes Jahr ging der Ausverkauf in den Schwellenländern los und wird sich nach Ansicht der größten Banken der Wall Street fortsetzen. Es sei kein vorübergehendes Phänomen.

So rät Goldman Sachs den Investoren, ihre Allokation auf Anlagen in den Emerging Markets um ein Drittel zu verringern, von neun Prozent auf sechs Prozent. Die Bank geht von einer „erheblichen Underperformance“ für Aktien, Anleihen und Währungen über die kommenden zehn Jahre aus.

JP Morgan erwartet, dass Schwellenländer-Bonds in lokaler Währung dieses Jahr nur noch zehn Prozent des durchschnittlichen Ertrags seit 2004 einbringen werden und bis auf ein Prozent abbröckeln können. Morgan Stanley rechnet mit weiteren Kursverlusten bei Währungen wie Real, Rubel und türkischer Lira. Im vergangenen Jahr gab es bereits Verluste von bis zu 17 Prozent.

Überflieger werden zu Nachzüglern

Während der Finanzkrise, als es für die Börsen der Industrienationen kräftig bergab ging, zeigten die aufstrebenden Länder Brasilien, Russland, Indien und China Stärke: Ihre Finanzmärkte lieferten überdurchschnittliche Erträge. Nach Einschätzung von Morgan Stanley dürften nun jedoch einige der Länder zu Nachzüglern werden, da die US-Notenbank Federal Reserve ihre beispiellosen geldpolitischen Anreize zur Konjunkturankurbelung zurückfährt und die Zinsen steigen.

Der MSCI Emerging Markets Index für Aktien hat dieses Jahr bereits drei Prozent verloren und sank am Montag auf ein Vier-Monats-Tief als Konjunkturdaten aus China enttäuschend ausfielen. Zum Vergleich: der Industrieländerindex hat 1,2 Prozent eingebüßt.

„Noch vor kurzem war die Welt so gebannt von den Schwellenländer-Märkten, dass sie nicht zwischen gut und schlecht unterschieden hat“, sagt Stephen Jen, Partner bei SLJ Macro Partners in London. Er hatte im vergangenen Jahr den Ausverkauf in den Schwellenländern korrekt vorausgesagt. „Die Kapitalkosten werden beginnen, sich zu normalisieren und dann wird sich die Wahrheit in diesen Märkten herauskristallisieren.“

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