Schwellenländer
Währungen unter Druck

Nicht nur der Rubel hat Schwierigkeiten. Viele Schwellenländer-Währungen senden aktuell negative Signale. Ein renommierter Experte warnt jetzt vor Krisengefahr und sieht den entscheidenden Faktor in der US-Wirtschaft.
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LondonStephen Jen hat als Zinsstratege für Morgan Stanley in Asien die Währungskrise von 1998 in den Schwellenländern miterlebt. Jetzt sieht er ähnliche Risiken aufkommen. Die Krise breitete sich damals von Thailand über Asien aus und erschütterte dann Brasilien und Russland. Sie führte zum Zusammenbruch des Hedgefonds Long-Term Capital Management, wobei Schlimmeres nur durch eine von der US-Notenbank arrangierte konzentrierte Rettungsaktion verhindert wurde. Der heute 48-jährige Jen macht sich nun Sorgen, dass viele der Emerging-Market-Analysten zu jung sind, um sich an die späten 1990er Jahre zu erinnern.

Stattdessen sahen sie nur den Aufstieg von Brasilien, Russland, Indien und China, was eine einfache Wette auf den wirtschaftlichen Aufschwung dieser Länder nahelegte. „Viele wurden Schwellenländer-Experten nachdem der Begriff ‘BRIC' geprägt worden war und haben keine ernsthafte Krise kennengelernt'“, sagt Jen, der jetzt den Hedgefonds SLJ Macro Partners in London leitet. Den jungen Währungsexperten könnte eine Lektion bevorstehen. Jen hält eine vergleichbare Entwicklung wie 1997-1998 für möglich. Der Paukenschlag kam für die Investoren mit der Zinserhöhung in Russland zur Verteidigung des Rubels. Zudem wird es immer wahrscheinlicher, dass Venezuela auf einen Zahlungsausfall zusteuert.

Von Brasilien bis Thailand brechen die Aktienkurse ein. Und dabei hat die Federal Reserve in den USA noch nicht einmal mit Zinsanhebungen begonnen. „Ab einem gewissen Punkt nimmt das Risiko von Brüchen in Teilen der Schwellenländer stark zu“, warnt Jen. Nicht nur der russische Rubel, auch der brasilianische Real, der mexikanische Peso, die türkische Lira, der südafrikanische Rand und die indonesische Rupiah befinden sich auf Talfahrt. Das signalisiere Risiken, sagt Jen. Der größte Anlass zur Besorgnis - größer als eine Rezession in Russland oder der Ölpreisrutsch - sei jedoch die Konjunkturabschwächung in China. Diese habe bereits die Rohstoffpreise auf Talfahrt geschickt. Hinzu komme die Wahrscheinlichkeit, dass das Wirtschaftswachstum in den USA den Dollar weiter nach oben treibt und so zu einem Abzug von Geldern aus den Schwellenländern begünstigt.

Eine vergleichbare Warnung kommt von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in Basel. Die Bank befürchtet, eine Aufwertung des Dollars könnte „tiefgreifende“ Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben. Nach Schätzungen der BIZ haben internationale Banken bis Mitte dieses Jahres 3,1 Billionen Dollar an die Schwellenländer verliehen, zumeist in Dollar denominiert. Zudem haben diese Länder Auslandsanleihen im Volumen von 2,6 Billionen Dollar aufgelegt. Ökonomen des Internationalen Währungsfonds erklärten weiterhin, die Häufigkeit von Staatsschuldenkrisen sei zu Beginn eines geldpolitischen Straffungszyklus in den USA um 15 Prozent erhöht.

„Meine langjährige Erfahrung sagt, dass Schwellenländerwährungen einbrechen können, weil es einfach zu hohe kumulative Kapitalzuflüsse in diese Länder gegeben hat“, sagt Jen. Nichts was diese Länder tun könnten werde diese potenziellen Abflüsse stoppen, solange sich die US-Wirtschaft erhole, fügte er an.

Agentur
Bloomberg 
Bloomberg / Nachrichtenagentur

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