Schwierigeres Umfeld als nach den Anschlägen von Istanbul
Anleger befürchten Kettenreaktion

Die Furcht vor weiteren Anschlägen nach den Attentaten in Madrid und die zunehmende Klarheit über einen islamistischen Hintergrund durch El Kaida verunsichern die Finanzmärkte nachhaltig. „Wenn sich herausstellt, dass El Kaida hinter den Anschlägen steckt, werden sich die Kursverluste ausweiten, und der Markt wird sich nicht so schnell berappeln“, prophezeit Kai Franke von der ING BHF-Bank.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Hätte es sich um ein Attentat der spanischen Separatistenorganisation Eta gehandelt, wäre das zwar genauso grausam wie von El Kaida, dafür aber lokaler begrenzt und berechenbarer.

Viele Bankstrategen fürchten mit den sich verdichtenden Hinweisen auf El Kaida eine Kettenreaktion an den Märkten. Falls in Madrid eine neue internationale Anschlagsserie begonnen hat, könnten sich die konjunkturellen Frühindikatoren weltweit eintrüben, was wiederum die Börsen nach unten ziehen würde – ähnlich wie nach den Anschlägen auf die USA am 11. September 2001. „Für die Börsianer ist ausschlaggebend, dass diese Vorgänge nicht an der Realwirtschaft vorbeigehen werden“, sagt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz-Group und der Dresdner Bank. Entsprechend dürften Aktien aus den Bereichen Verkehr und Touristik die Reaktionen auf die Anschläge besonders zu spüren bekommen, vermutet Heise. Diese Titel hatten es zuletzt ohnehin schwer.

Mit Schrecken registrierten Anleger, dass binnen drei Tagen aus den Jahreshöchstständen Jahrestiefststände wurden, als der Deutsche Aktienindex (Dax) Ende vergangener Woche unter die Marke von 3 900 Punkten rutschte. Doch Ursache sind nicht die Anschläge allein. Schlechte Arbeitsmarktdaten aus den USA sowie nachgebende Frühindikatoren wie der Ifo- und ISM-Index drückten auf Stimmung und Kurse. „Die Nachrichtenlage war zuletzt insgesamt eher negativ, was durch die Terroranschläge verstärkt wird“, meint Gerhard Schwarz von der Hypo-Vereinsbank. Er rechnet in den nächsten ein bis zwei Wochen mit einer weiteren Nervosität an den Börsen bei jedoch begrenztem Rückschlagpotenzial. Die bisherigen Kursrückgänge entsprächen noch nicht einmal einer ganz normalen Korrektur von zehn Prozent, relativiert Schwarz die bisherigen Verluste angesichts vorangegangener Gewinne von gut 90 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten. Gemessen an seinem Hoch verlor der Dax bislang sieben Prozent. Dass der Dax damit im europäischenVergleich trotzdem am stärksten verlor, begründet Michael Heise mit den im europäischen Kontext gleichzeitig höchsten Zuwächsen seit gut einem Jahr.

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