Sechs Fragen an Geoffrey Dennis
„Die Märkte werden liquider“

Geoffrey Dennis ist Latainamerika-Aktienexperte der Citigroup. Im Interview spricht er über die Entwicklung der Rohstoffpreise und ihre Auswirkung auf Südamerika.

Handelsblatt: Wie ernst ist der derzeitige Sell Off an den südamerikanischen Märkten?

Ich gehöre zu denjenigen, die sagen, es ist eine Korrektur, und die Preise werden sich in etwa um das aktuelle Niveau einpendeln. Der Hauptgrund für diesen Optimismus ist, dass wir die globale Situation noch immer recht positiv sehen: Die US-Zinsen werden nicht weiter steigen und dass das globale Wachstum ziemlich robust ist.

Geoffrey Dennis: Ist die jetzige Situation also eine gute Einstiegsgelegenheit?

Lateinamerika ist wieder sehr interessant. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist auf zehn gesunken. Wenn die Gewinne auf einem zyklischen Höhepunkt sind, wenn die Rohstoffpreise weiter sinken und dies die künftigen Unternehmensgewinne beschneidet, wäre die Story eine andere, aber ich glaube nicht, dass die Gewinne auf einem zyklischen Höhepunkt stehen.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Rohstoffpreise und ihre Auswirkung auf Südamerika?

Sehr hohe Rohstoffpreise sind ein Problem, weil sie die Zinsen und die Inflation treiben. Andererseits wäre ein scharfer Rückgang der Rohstoffpreise das schlimmste, was Lateinamerika passieren kann.

Wie sehen sie die Entwicklung der südamerikanischen Aktienmärkte allgemein?

Es sind kleine, unterentwickelte Märkte mit einer geringen Zahl von börsennotierten Unternehmen. Lateinamerikas Börsenmarkt macht nur 20 Prozent des gesamten Schwellenlandmarktes aus, und es gibt nur etwa 60 Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 10 Mrd. Dollar in Lateinamerika, hauptsächlich in Brasilien und Mexiko. Aber die Märkte werden liquider, weil die Fundamentaldaten besser werden und Anleger auch in Unternehmen der zweiten Riege investieren, das ist eine logische Entwicklung.

Welche Länder und Sektoren sind derzeit besonders attraktiv?

Chile ist ein defensiver Markt, der gut läuft, wenn die Region unter Druck ist. In Argentinien sind wir ein bisschen besorgt über die Fundamentaldaten, über die politische Situation und die hohe Inflation. Peru ist stark von Rohstoffunternehmen dominiert, das macht den Markt derzeit schwierig. Außerdem sorgt in Peru die anstehende Präsidentschaftswahl für Nervosität. In Chile setzen wir auf Sektoren wie Banken und Versorgungsunternehmen, um von der starken Wirtschaft zu profitieren.

Was ist derzeit attraktiver: Aktien oder Anleihen?

Aktien sind noch immer billiger als Anleihen, wenn auch nicht mehr ganz so wie zuvor. Anleihen punkten, weil sie liquider sind. Bisher hat der Bondmarkt nur sehr leicht nachgegeben, aber sollte es dort zu einem scharfen Kurseinbruch kommen, werden auch Aktien fallen.

Das Gespräch führte Anne Grüttner.

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