Sechs Fragen an: Mauro Toldo
„Schritt für Schritt wieder investieren“

Mauro Toldo, Experte für Schwellenländer bei der Dekabank, plädiert dafür, die Kursverluste an den Börsen der Bric-Staaten nicht überzubewerten. Warum Anleger Schritt für Schritt investieren und ihr Depot breit aufstellen sollten.

Handelsblatt: Die Aktienkurse an den Bric-Börsen sind zuletzt eingebrochen. Ist die jahrelange Rally vorbei?

Mauro Toldo: Man kann schon von einer deutlichen Korrektur sprechen, keine Frage. Immerhin hat beispielsweise die Börse in China über 50 Prozent verloren. Aber wir sollten das Ganze in einem größeren Zusammenhang sehen: Auch die Kapitalmärkte in den etablierten Industriestaaten sind in den vergangenen Monaten kräftig unter Druck geraten.

Also können sich die Schwellenländer doch nicht von Europa und den USA abkoppeln ...

An der Abkopplungstheorie ist etwas Wahres dran, zumindest aus volkswirtschaftlicher Sicht. Das Wachstum in den vier Staaten ist lange nicht mehr so abhängig vom Handel mit den USA, Japan und Europa wie früher. Die Inlandsnachfrage ist mittlerweile so stark, dass sie Schwächen beim Außenhandel relativ gut ausgleichen kann.

Und auf den Kapitalmärkten?

Da muss man fairerweise sagen, dass die Märkte weltweit so eng verflochten sind, dass Probleme an der Wall Street auch auf die Börsen der großen Schwellenländer durchschlagen. Die Finanzkrise hat das eindrucksvoll gezeigt.

Wie werden sich die Kurse an den Bric-Börsen mittelfristig entwickeln?

Wir sind davon überzeugt, dass sich die Märkte dort mittel- bis langfristig positiv entwickeln werden. Kurzfristig aber kann es nochmal nach unten gehen.

Wer ist Ihr persönlicher Favorit von den Vieren?

Das ist nicht ganz so einfach zu beantworten. Russland ist derzeit wegen der politischen Situation sicherlich problematisch. China und Indien dagegen dürften zu den großen Profiteuren gehören, sollte sich das wirtschaftliche Umfeld in den USA wieder verbessern. Für Brasilien spricht, dass sich die Börse dort in den vergangenen Monaten noch am besten gehalten hat.

Was raten Sie den Anlegern?

Schritt für Schritt wieder investieren - und das Depot möglichst breit aufstellen.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen
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