Seit März Gewinner im Dax
Bankaktien gelten als ausgereizt

Übernahmephantasien haben die Kurse stark ansteigen lassen. Doch Analysten bewerten die Spekulationen kritisch.

DÜSSELDORF. Allen Dementis aus den Chefetagen der großen Finanzinstitute zum Trotz: Die Spekulationen um Übernahmen und Fusionen in der deutschen Finanzbranche flackern heller auf als jemals zuvor. Das zeigt allein ein Blick auf die Aktienkurse. Seit März zählen die Banken zu den größten Gewinner im Dax. Die Titel der Commerzbank und Hypo-Vereinsbank (HVB) verdoppelten ihren Wert nahezu, die Papiere der Deutsche Bank erreichten immerhin ein Plus von über 70 Prozent.

Nach Meinung vieler Analysten ist jedoch das derzeitige Kursniveau fundamental nicht zu rechtfertigen, auch wenn die kürzlich vorgelegten Neunmonats-Ergebnisse bei der HVB und Deutschen Bank gar nicht mal schlecht ausfielen und die Commerzbank mit einem Befreiungsschlag die Bilanz bereinigt hat. „Die an sich ordentlichen Zahlen sind als alleiniger Grund für den Aufschwung nicht ausreichend“, sagt Fabian Brunner von der Landesbank Baden-Württemberg. „Übernahmephantasien spielen dabei auf jeden Fall eine entscheidende Rolle“, meint auch Georg Kanders von der WestLB.

Ob sich diese allerdings tatsächlich bewahrheiten, bleibt fraglich. Die Ratingagentur Fitch verkündete zwar erst kürzlich, dass sie mit weiteren Restrukturierungen rechnet. Und auch Georg Kanders von der WestLB meint, dass „Übernahmen immer wahrscheinlicher werden“. Eine „innerdeutsche Lösung“ schließen die meisten Analysten allerdings wegen der angespannten finanziellen Lage der Großbanken fast unisono aus. Bleiben also Interessenten aus dem Ausland. Lohnende Ziele gibt es für sie allemal, denn die Kosteneinsparungsprogramme der deutschen Banken zeigen mittlerweile fast überall deutliche Erfolge und stille Lasten sind oftmals in der Bilanz bereinigt. Die Institute seien somit wieder interessant, so Kanders.

Dem widerspricht jedoch Dieter Hein vom Analysehaus Fairresearch. Zwar sei der deutsche Markt für ausländische Banken sicher wieder lukrativ, doch auf die hiesigen Finanzinstitute trifft diese Einschätzung deshalb noch lange nicht zu. „Gerade die Großbanken halten im internationalen Vergleich – gemessen an der Profitabilität und Eigenkapitalrendite – immer noch die rote Laterne in der Hand“, so Hein. Außerdem könne wegen der teilweise eigenwilligen Bilanzierung kein potenzieller Investor die noch verborgenen Lasten abschätzen. „Das Risiko ist einfach zu groß und eine Investition vor den eigenen Aktionären nur schwer zu rechtfertigen“, meint der Fairresearch-Analyst.

Auch Fabian Brunner von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) bleibt skeptisch. Obwohl Gerüchten zufolge die Citigroup, die Schweizer Großbank UBS und die derzeit ohnehin stark expandierende Royal Bank of Scotland bereits Interesse bekundet haben. Die Glaubwürdigkeit dieser Aussagen sei allerdings zweifelhaft. „Eine Commerzbank war beispielsweise vor einem halben Jahr noch deutlich günstiger zu haben“, erklärt Brunner. „Wenn erst jetzt investiert wird, warum sollten dann die potenziellen Käufer den Kurs durch derartige Aussagen noch weiter in die Höhe treiben?“

Analyst Hein sieht denn auch die Übernahmegerüchte als übertrieben an. Solche Spekulationen seien zudem nicht neu. Schon seit knapp zehn Jahren würden Übernahmen und Fusionen als „unausweichlich“ bezeichnet, sagt Hein. Aber bislang seien die meisten Versuche bereits im Vorfeld gescheitert oder hätten sich später als „Fehlschlag“ erwiesen. „Die Investoren sind daher vorsichtig geworden“, meint Hein.

Unterschiedlich fallen deshalb auch die Bewertungen vieler Analysten zu deutschen Bankaktien aus. WestLB-Experte Kanders zum Beispiel zeigt sich bei allen Werten zurzeit optimistisch. Er sieht vor allem bei der Hypo-Vereinsbank und der Commerzbank noch Potenzial. Für die Aktien der Commerzbank gibt er einen fairen Wert von 18 Euro an. Bei den Titeln der HVB sind es 22 Euro und für die Deutschen Bank beziffert er 64 Euro als das preisgerechte Maß für die Anleger.

„Die Kurse sind ausgereizt“, entgegnet Hein. Das Risiko von Verlusten sei auf jeden Fall größer als die Chance auf weitere Gewinne. Er rät Anlegern daher zu Gewinnmitnahmen und dem baldigem Verkauf. Zu dem selben Urteil wie Hein kommt derzeit auch Aktienexperte Fabian Brunner von der Landesbank Baden-Württemberg.

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