Selbst ist der Millionär
Wir brauchen keine Banker

Asiatische Millionäre haben genug von ihren Vermögensverwaltern. Immer weniger lassen sich einer Studie zufolge in Geldfragen professionell beraten. Das Vertrauen in die Finanzbranche hat zuletzt arg gelitten.
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Desillusioniert von den Anlageprodukten und deren schwindenden Erträgen nehmen viele Millionäre in Asien zunehmend die Verwaltung ihrer Vermögen in die eigene Hand. “Reiche Asiaten haben während der Finanzkrise 2008 viel Vertrauen in die Privatbanken und ihre Vermögensberater verloren”, sagt Peter Damisch, Partner und Managing Director bei der Boston Consulting Group in Zürich. Er ist Co-Autor einer Studie von BCG aus dem Juni zum Thema.
Vollen Spielraum bei der Verwaltung der Portfolios ihrer Klienten haben die Manager von Credit Suisse, Citigroup und anderen Banken in Asien nur bei vier Prozent des verwalteten Vermögens, geht aus der BCG-Studie hervor. 2006 waren es noch sechs Prozent. In Europa läuft der Trend in die andere Richtung - volles Ermessen gibt es hier bei 23 Prozent der verwalteten Gelder, eine Zunahme gegenüber den 18 Prozent vor sechs Jahren.

“Ich bin sehr offen für die Vorschläge der Banken. Aber ich will, dass sie relevant sind”, sagt der 39-jährige Clinton Ang in Singapur, der über ein Vermögen von fast 80 Mill. Dollar verfügt. Seine erste Million hat er mit Immobilien verdient. “Wir hatten das Gefühl, wir können das besser”, sagt er. Zwei Banker hat er bereits gefeuert. Statt 25 Prozent lässt er nun gerade fünf Prozent seines Geldes professionell verwalten.
Die führenden Vermögensverwalter haben große Hoffnungen in die Expansion in Asien gesetzt und viel investiert. Doch obwohl das verwaltete Vermögen insgesamt wächst, sinkt der Gewinn, seit die Millionäre sich stärker selbst um ihre Vermögensanlage kümmern. Ein Beispiel: HSBC Holdings Plc, verdiente im Raum Asien-Pazifik 2011 ohne Berücksichtigung von Kosten 1,20 Dollar je verwaltete 100 Dollar. Das war ein Rückgang um 25 Prozent gegenüber 2007.
Im Raum Asien-Pazifik hat es 2011 zum ersten Mal mehr Millionäre als in Nordamerika gegeben. Einer Studie von Capgemini und RBC Wealth Management aus dem Juni zufolge stieg die Zahl der Personen mit einem investierbaren Vermögen von mindestens einer Million Dollar um 1,6 Prozent auf 3,37 Millionen. In Nordamerika hingegen sank die Anzahl der Vermögenden um 1,1 Prozent auf 3,35 Millionen.

“Zur Kultur in Asien gehört, dass die Klienten weitaus mehr selbst zupacken”, sagt Akbar Shah, Leiter des Privatbankengeschäfts der Citigroup in Südostasien und Australien. “Viele von ihnen haben ihr Vermögen in den asiatischen Immobilienmärkte gemacht - und in diesen Märkten wird aktiv angepackt”, sagt er.

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