Serie: Kapitalmarktrisiken
Alterung wird zum Stresstest

Nicht über alle großen Gefahren einer alternden Bevölkerung in den Industrieländern reden Wirtschaftsexperten gern. Zwei solche Themen sind die Anspannungen der Sozialsysteme und die denkbaren Verlagerungen von Investitionsstandorten in die Schwellenländer. Wie die Demographie die Ökonomie an den Abgrund führt.

FRANKFURT. „Der demographische Umbruch kommt nicht mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit, er kommt garantiert – außerdem wird er teuer für die Gesellschaft und nicht reibungslos verlaufen“, warnt Bernd Raffelhüschen, Professor für Finanzwissenschaften an der Universität Freiburg.

Das Problem für viele Industrieländer besteht in der Entwicklung weg von einer gesunden Bevölkerungspyramide. Die Generation der Baby-Boomer strebt ins Rentenalter, während die Geburtenzahlen sinken. Dadurch fällt zunächst die Bevölkerungszahl. Helmut Kaiser, verantwortlich für die globale Anlagestrategie bei der Deutschen Bank, taxiert den „Verlust“ in den kommenden vier Jahrzehnten auf zwölf Millionen Menschen allein in Deutschland.

Vor allem sinkt der Anteil der möglichen Erwerbstätigen um ein Viertel, während gleichzeitig der Anteil der Älteren zunimmt. „Sollte alles beim Alten bleiben, verschlechtert sich ab 2015 das Verhältnis Erwerbstätiger zu Rentnern zunehmend. Ab 2050 wird es sogar dramatisch, dann kommen auf einen Beitragszahler zwei Rentner“, sagt Kaiser.

Im internationalen Vergleich sieht die Lage beispielsweise in den USA besser aus, weil das Land eine aktive Einwanderungspolitik betreibt und auf diese Weise seinen Arbeitsmarkt belebt. Fachleute beschreiben den Unterschied: Die USA fördert eine Migration in den Arbeitsmarkt, Deutschland eine Migration in die Sozialsysteme.

Welchen Sprengstoff die Zukunft birgt, errechnet Kaiser in einem Szenario auf Basis von Daten der Deutschen Bank. Darin unterstellt er, dass die entscheidenden Größen wie Geburtenrate, Nettozuwanderung oder tatsächliches Renteneintrittsalter konstant bleiben. Dann würde die deutsche Wirtschaft langfristig mit einem Prozent Wachstum rechnen können. Ohne Reformen müssten außerdem die Sozialversicherungskosten explodieren, die Beitragssätze von derzeit 35,2 bis zum Jahr 2050 auf über 50 Prozent nach oben schnellen.

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