Serie: Kapitalmarktrisiken
Derivate verunsichern Finanzprofis

Derivate sind das bei weitem dynamischste Segment der globalen Finanzmärkte. Doch die exorbitanten Wachstumsraten dieser Instrumente lösen inzwischen immer mehr Argwohn aus.

FRANKFURT. Anleger-Legende Warren Buffett sieht in Derivaten „finanzielle Massenvernichtungswaffen“ der Neuzeit. Und Buffett ist mit seiner Kritik am ungezügelten Wachstum dieses Marktes nicht allein. Auch bei den Aufsichtsbehörden nimmt die Sorge zu, dieses ungebremste Wachstum könnte an den Säulen des globalen Finanzsystems rütteln und die Welt ins Wanken bringen. Was Kritikern die Schweißperlen auf die Stirn treibt ist vor allem die Tatsache, dass gerade die Derivatemärkte exponentiell stärker wachsen als die Realwirtschaft – und zwar in einem bedenklich hohen Tempo.

Wenn man das globale Volumen des Marktes für Derivate in Höhe von 1 600 Bill. US-Dollar – gemessen an den diesen Instrumenten zu Grunde liegenden Nominalwerten – mit dem auf dem Globus erwirtschafteten Bruttoinlandsprodukt in Höhe von 59 Bill. Dollar vergleicht, lässt sich erahnen, welch hohe Risiken Derivate für die Stabilität der Finanzmärkte aufweisen.

Vor allem den ausgefeilten Anlagestrategien der Hedge-Fonds ist das enorme Wachstum der Derivatemärkte zuzuschreiben. Fachleute fürchten in diesem Zusammenhang eine Wiederholung der im Jahr 1998 durch den Hedge-Fonds LTCM ausgelösten Krise. Zuletzt läuteten die Alarmglocken an den Märkten, als der US-Hedge-Fonds Amaranth Advisors das Handtuch warf. Die Probleme von LTCM und Amaranth lagen nicht nur darin, dass sie den Trend falsch eingeschätzt hatten, sondern darin, dass sie auch Positionen in wenig liquiden Derivatemärkten aufgebaut hatten.

Eberhardt Unger, Chefökonom des Analysehauses Fairesearch in Frankfurt, sieht den Derivateboom als Spiegelbild der hohen Risikobereitschaft der Finanzmarktakteure. Für Unger ist klar: „Die Finanzmärkte werden durch den hohen Einsatz von Derivaten anfällig.“

Doch es ist längst nicht nur die schiere Größe der unterschiedlichen Derivatemärkte, die so manchen Banker schlecht schlafen lässt. Unbehagen entsteht auch deshalb, weil einige Märkte intransparent und zum Teil illiquide sind. Timothy F. Geithner, Präsident der Federal Reserve Bank von New York, meint, dass sich die Gefahr großer Schocks für das Welt-Finanzsystem erhöht hat. Moderne Risikosteuerungsinstrumente wie Derivate hätten allerdings dazu beigetragen, die Anfälligkeit einzelner Märkte für kleinere Schocks zu reduzieren.

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