Serie: Kapitalmarktrisiken
Die beiden Seiten Chinas

„China“ lautet das Zauberwort, auf das die Akteure an den internationalen Kapitalmärkten meist mit Euphorie reagieren. Kein Wunder, denn als Motor der Weltwirtschaft bietet China Chancen über Chancen. Der Aufstieg Chinas zur Wirtschafts-Supermacht hat für Anleger aber auch seine Schattenseiten.

FRANKFURT. Bekanntlich hat jedes Ding zwei Seiten: Dort, wo es Chancen gibt, lauern auch Risiken. Über letztere wird im Zusammenhang mit China indes viel zu selten gesprochen. Das heißt jedoch nicht, dass sie nicht virulent vorhanden sind.

In diesem Kontext sei nur an jene Risiken erinnert, die beim Übergang des Landes von einem totalitären Regime zu einem politischen System mit demokratischeren Grundzügen existieren. Solche Risiken können in China für innenpolitische Unruhe sorgen und sehr negativ auf die Stimmung an den Welt-Kapitalmärkten durchschlagen. „China befindet sich bereits in einer Krise“, stellt George Friedman fest. Er leitet die US-Beratungsfirma für geopolitische Fragen Stratfor und erkennt in diesem mächtig aufstrebenden Land ein ganz großes Risiko, das auch von anderen Fachleuten als größtes Problem gesehen wird: „Es gibt 900 Milliarden Dollar an faulen Krediten, das sind 40 Prozent des Bruttosozialprodukts“. (siehe Interview auf der nächsten Seite). Er habe schon Länder beobachtet, die bereits mit der halben Quote abgestürzt seien. „Viele dieser Kredite wurden nur aus politischen Gründen gegeben“, sagt der Texaner und ergänzt: „Dieses Risiko sehen viele Marktteilnehmer nicht.“

Philip Vorndran sieht das Problem ebenfalls, schwächt aber etwas ab. Der globale Investmentstratege von Credit Suisse sagt, China mache ähnliche Fehler wie Deutschland vor Jahrzehnten. Die Anleger würden Geld in niedrig verzinste Investments stecken, die eine klar unter den Unternehmenserträgen liegende Rendite bringen. „Chinas Sparer subventionieren durch die Inkaufnahme niedriger Zinsen den Aufbau der Industrie“, sagt Vorndran mit Hinweis auf die „Furcht erregende“ Sparquote von 22 Prozent. Weil sich Banken so billig refinanzieren könnten, würden sie praktisch an jedes Unternehmen ungeprüft Kredite ausgeben. Durch die üppige Zinsspanne werde das Kreditausfallrisiko etwas abgepolstert. Man dürfte es jedoch nicht vernachlässigen.

Das Reich der Mitte ist jedoch als Wirtschaftsmacht inzwischen sowohl politisch als auch ökonomisch stark in die internationale Staatengemeinschaft und in das globale Wirtschaftsgeflecht einbezogen. Da dürfte eine Bankenkrise in China auch an den Welt-Finanzmärkten zu Turbulenzen führen und im schlimmsten Fall sogar in der gesamten Weltwirtschaft einen Flächenbrand auslösen.

Eine weitere Gefahr sehen Ökonomen in einer möglichen Überhitzung der chinesischen Volkswirtschaft, die im zweiten Quartal dieses Jahres um 11,3 Prozent gewachsen ist. Eine Fortsetzung des Booms könne sich unter anderem in einer Explosion der Inflationsrate äußern.

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