Shell-Studie
"Aktien sind genauso out wie Drogen"

Das Vertrauen der 12 bis 25-Jährigen in die Wirtschaft ist deutlich eingetrübt, wie die Shell-Studie zeigt. Insgesamt paart sich die Politikverdrossenheit inzwischen mit einer zunehmenden Verdrossenheit gegenüber Wirtschaft und Finanzen. Bester Beweis: Finanzprodukte jenseits des Sparbuchs sind out.
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Die Lehmann-Pleite und die folgende weltweite Krise hat bei deutschen Jugendlichen das Image von Banken und Wirtschaft insgesamt schwer geschädigt. Nach der gestern veröffentlichten 16. Shell-Jugendstudie "ist das Vertrauen der 12-25jährigen in die Wirtschaft deutlich eingetrübt" sagt einer der Autoren, Ulrich Schneekloth von tns infratest, dem Handelsblatt. Zu Großunternehmen und Banken hat die Jugend mittlerweile ebenso wenig Vertrauen wie zu den Parteien, ergab die renommierte Jugendstudie.

Das richtet sich konkret auch gegen Finanzprodukte: "Wenn etwas heute out ist - neben Drogen - dann sind das Aktien", so Schneekloth. Der Absturz ist dramatisch: noch 2002 waren Aktien für 39 Prozent der 15 - 25 jährigen "in" - heute findet das nur noch eine Randgruppe von 12 Prozent. Nachdem die Elterngeneration "mühsam gelernt hat, auch Finanzprodukten jenseits des Sparbuchs zu vertrauen", habe die Nachfolgegeneration nun "das Vertrauen in einen Sektor verloren, dessen Bedeutung ihr sehr wohl bewusst ist", so Schneekloth.

Das ist umso gewichtiger, als die heutige Jugend kaum noch diffuse Globalisierungsängste oder grundsätzliche Skepsis gegenüber dem Wirtschaftssystem insgesamt hegt. Im Gegenteil: Weit mehr junge Menschen also noch 2006 sehen neben den Risiken auch große Chancen in der Globalisierung für sich selbst und den Wohlstand allgemein - und das obwohl die Befragung der gut 2500 Jugendlichen mitten in die Zeit der Griechenland-Krise fiel.Insgesamt sehen heute deutlich mehr junge Menschen optimistisch in die Zukunft als noch 2006 - nur den Großunternehmen und den Banken misstrauen sie.

Insgesamt "paart sich die Politikverdrossenheit inzwischen mit einer zunehmenden Verdrossenheit gegenüber Wirtschaft und Finanzen, sprich Banken und großen Unternehmen", so Schneekloth.

Barbara Gillmann ist Korrespondentin in Berlin.
Barbara Gillmann
Handelsblatt / Korrespondentin

Kommentare zu " Shell-Studie: "Aktien sind genauso out wie Drogen""

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  • Eigentlich spielt das Ergebnis nur eine untergeordnete Rolle.


    Die dramatische Einschätzung der kommenden Nettozahler ist doch das wahre schreckliche .

    Sie wissen,das Sie ohne Perspektive sind.
    Daran sind die Kapital-Parteien verantwortlich.
    CDU,CSU,FDP,SPD,GRÜNE,(Linke).
    Praktisch blockparteien,welche Alle dem übergeordnetem Kapital dienen.

    it's really ! !

  • Mißtrauen oder Realismus? in Zeiten, in denen hochspekulative Finanzprodukte sich noch immer von der Realwirtschaft entfernt, (was auch auf Aktienkurse Einfluss nimmt), kann das "Misstrauen" der Jugend nicht auch als nüchterner Menschenverstand und Abstinenz von der "Spielsucht" interpretiert werden? Demnach haben viele den irrsinn unregulierter Märkte durchschaut und warten ab, bis die erforderliche "Entgiftung" und "Entwöhnung" abgeschlossen ist.

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