Sieben Fragen an Jürgen Lampe
„Auf den Anleger eingehen“

Jürgen Lampe arbeitet beim Controlling - und Rankinginstitut. Im Interview spricht er über den Unterschied zwischen guten und schlechten Anlageberatern.

Handelsblatt: Woran erkennt man einen guten Anlageberater beziehungsweise Vermögensverwalter?

Jürgen Lampe: Qualitativ hochwertige Beratung beginnt damit, dass der Finanzberater auf den Kunden eingeht. Die Aussagen des Kunden muss er stimmig in ein Anlagekonzept einflechten; Schlüsseläußerungen – etwa zum Anlagehorizont – penibel beachten. Oft werden schnell Schubladen aufgezogen und Anleger hineingesteckt. Ein guter Berater klärt zudem ausführlich über Anlagerisiken auf, wozu ihn ohnehin der Gesetzgeber verpflichtet. Aus Haftungsgründen wird dies auch in Formularen dokumentiert, die Kunden unterschreiben müssen.

Was gibt es noch zu bedenken?

Geldanlage ist Vertrauenssache. Zwischen Kunden und Berater muss die Chemie stimmen. Jeder professionelle Vermögensverwalter hat seinen Anlagestil, mit dem der Investor klar kommen muss. Vor Abschluss eines Vertrages sollte der Vermögensverwalter seine Arbeitsweise erklären und darlegen, ob er etwa Aktien eher mit qualitativen oder quantitativen Methoden auswählt und ob er eher auf Einzeltitel oder Fonds setzt.

Welche Leistungen kann ein Anleger erwarten?

Im Mittelpunkt steht die Optimierung der Geldanlage. Mindestens quartalsweise kann der Kunde einen Bericht über die Entwicklung seines Depots verlangen. Bei besonderen Entwicklungen braucht der Investor zudem sofort Informationen. Diese Dinge sollten im Verwaltervertrag definiert sein.

Worauf sollte ein Anleger mit Blick auf ein Ertragsziel achten?

Wichtig bei einem Ertragsziel ist, ob der Vermögensverwalter die Performance vor oder nach Abzug der Kosten angibt. Darüber hinaus sollte der Investor klären, mit welchem Risiko der Verwalter seine Performance erreicht. Die wenigsten Berater geben das Risiko an.

Was ist mit Blick auf die Vergütung zu beachten?

Das Preismodell sollte zum persönlichen Risiko-Profil des Anlegers und damit zur Depotstruktur passen. Eine All-in-Fee bietet sich beispielsweise für ein umsatzstarkes Aktiendepot an. Bei einem Rentenportfolio, das wenig umgeschichtet wird, hat sie kaum Vorteile. Den Namen All-in-Fee haben ohnehin nur Vereinbarungen verdient, die auch fremde Spesen berücksichtigen.

Macht eine an eine Benchmark gebundene Vergütung Sinn?

Solche Vereinbarungen machen für Privatanleger wenig Sinn, da sich deren Depotstruktur nur selten mit einer aus Börsenindizes konzipierten Benchmark vergleichen lässt. Das gilt für die Einzeltitelauswahl bei Aktien genauso wie etwa für die durchschnittlichen Restlaufzeiten bei Renten. Eine erfolgsabhängige Vergütung koppelt der Verwalter aber gern an eine Benchmark. Anleger sind sich oft nicht darüber bewusst, dass ein Verlust im Depot für den Verwalter einen Erfolg bedeutet, so lange er besser als die Benchmark abschneidet.

Die Alternative sind absolute Renditeziele?

Ja. Jeder Anleger muss entscheiden, wie viel er mit seinem Kapital erwirtschaften möchte.

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