Sieben Fragen an Martin Weber
„Verluste gehören in das Kalkül“

Martin Weber ist Professor für Finanzen an der Universität Mannheim. Im Interview spricht er über die Anlagestrategien der Deutschen und über die Risiken bei Aktien.

Handelsblatt: Die Deutschen halten nicht einmal zehn Prozent ihres Vermögens in Aktien. Ist das zu wenig?

Auf jeden Fall. Sie sind zu vorsichtig. Schon Karl Marx hat gewusst, dass es sinnvoll ist, sich am Produktivvermögen einer Volkswirtschaft zu beteiligen.

Wem würden Sie zu einem Portfolio raten, das überwiegend Aktien enthält?

Dazu gibt es leider keine allgemein verbindliche Antwort. Was Sie an vielen Bankschaltern hören, dass sich diese Anlage für jüngere Leute mit einem längeren Zeithorizont empfiehlt, ist zu pauschal. Nehmen Sie die jüngste Entwicklung. Eine Aktienanlage hat sich schon innerhalb eines einzigen Jahres gelohnt und eine Rendite von rund 25 Prozent gebracht.

Es hat aber auch Jahre gegeben, da haben Anleger mit Aktien mindestens so viel verloren.

Genau das ist der Punkt. Aktien sind eine riskante Anlage. Historisch haben sie eine um vier bis fünf Prozent höhere Rendite gebracht als Festgeld und Staatsanleihen bester Bonität. Aber sicher ist das nicht. Dessen sollten sich Anleger bei der Gestaltung ihrer Vermögensstruktur immer bewusst sein.

Wie bestimmt der Sparer demnach seinen idealen Aktienanteil im Depot?

Das hängt davon ab, wie dringlich künftige Konsumwünsche sind und wie viel dafür schon in der Kasse ist. Spare ich für ein Auto, das ich in drei Jahren kaufen will, dann lege ich mein Geld nicht in Aktien an. Weiß ich, dass ich beim Renteneintritt mindestens 110 000 Euro brauche, verbietet sich ebenfalls die Aktienanlage, gleich, wie weit der Zeitpunkt des Renteneintritts noch entfernt ist. Kommt es nicht so darauf an, weil das Einkommen aus anderen Quellen gesichert ist, dann können auch ältere Sparer überwiegend Aktien im Depot halten.

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