Sieben Fragen an Michael Huber
„Breit streuen und Kurs halten!“

Michael Huber ist Finanzberater bei dem VZ Vermögenszentrum München. Im Interview spricht er über ein ausgewogenes Portfolio.

Handelsblatt: Für wen eignet sich ein Portfolio mit einer Quote von etwa 50 Prozent Aktien?

Michael Huber: Es ist richtig für Anleger, die in der Mitte des Erwerbslebens stehen oder auch für ältere Sparer, die gut versorgt sind. Der Anlagehorizont sollte mindestens sieben Jahre betragen.

Es ist also das ideale Portfolio für die Altersvorsorge?

Bis Ende 40 sind 50 Prozent eher die Untergrenze. Um vernünftige Renditen zu erzielen, kann der Kunde sogar eine höhere Aktienquote planen. Dabei muss er natürlich bereit sein, entsprechende Depot-Schwankungen zu ertragen.

Die meisten Bundesbürger halten aber deutlich weniger Aktien.

Wir klären unsere Kunden entsprechend auf. Zwingen kann man natürlich niemanden. Oft wird auch übersehen, dass Anleihen auch Risiken haben. Seit Jahresanfang haben länger laufende Rentenpapiere bis zu drei Prozent an Wert verloren. Dazu kommen Ausfallrisiken. Denken Sie an Swiss Air, Parmalat oder Argentinien-Anleihen. Aktien schwanken zwar generell stärker. Aber wenn die Anlage breit gestreut ist, dann lassen sich die Schwankungen auch eindämmen.

Wie viele Einzeltitel sollten denn mindestens im ausgewogenen Portfolio sein?

Mindestens zwanzig Aktientitel und mindestens zehn Anleihen. Dabei sollten die Papiere weltweit gestreut sein. Hinzu sollte noch eine Beimischung von Rohstoffen, Hedge-Fonds und anderen Alternativen kommen. Diese Aufteilung sorgt dafür, dass sich bei einer neuen Marktsituation nicht alles in die gleiche Richtung bewegt.

Kostet so eine breite Streuung nicht auch Rendite?

Überhaupt nicht. Nehmen Sie zwei Aktien, die beide jährlich sechs Prozent Wertzuwachs haben, in den einzelnen Marktphasen aber unterschiedlich schwanken. Dann gleichen sich die Kursbewegungen aus, die Gesamtrendite von sechs Prozent bleibt aber die gleiche. Deshalb sollten in einem gut geführten Depot auch immer Positionen enthalten sein, die anderen Gesetzen folgen als Aktien oder Anleihen. Das können Sie auch bei denVerwaltern der Stiftungsgelder von Harvard oder Yale sehen. Sie haben einen so genannten Multi Asset Ansatz, der immer auch alternative Anlagen beinhaltet.

Kann der Privatanleger eine solche Diversifizierung einfach nachmachen?

Die Depotstruktur sollte er ähnlich gestalten. Will er auch die nötige Zahl von Einzeltiteln erwerben, dann muss das Depot mindestens eine halbe Million Euro schwer sein. Dabei ist zu bedenken, dass die Beobachtung der Positionen sehr zeitintensiv ist.

Und wie sollten es die übrigen Sparer halten?

Sie sollten mindestens einen guten weltweiten Aktienfonds halten und einen guten weltweiten Anleihefonds. Dazu sollten immer auch andere Anlageformen kommen, wie etwa Immobilien. An die einmal angepeilte Depotstruktur sollte sich der Sparer dann konsequent halten.

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